Dienstag, 5. April 2005

"Frisches Geld" für eine Elite-Universität: Die Finanzierung ist noch aber noch unklar

  • Arbeitstitel: Austrian Institute of Science and Technology

Die in Österreich geplante Elite-Universität soll mit "frischem Geld" finanziert werden, also nicht die Budgets der bestehenden Unis belasten. Das bekräftigte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Dienstag in einer Aussendung nach einer Sitzung einer von ihr eingesetzten Arbeitsgruppe Montag Abend. Doch Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni, welcher der Arbeitsgruppe angehört, ist "verunsichert", ob tatsächlich nur frisches Geld zur Finanzierung herangezogen werden soll. Denn die Pläne des Finanzministers für die Elite-Uni seien noch "unausgegoren", meinte Mainoni Montag Abend im Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten.

Laut dem bei der gestrigen Sitzung vorgelegten Zwischenbericht der Arbeitsgruppe "Elite-Uni" - die Einrichtung selbst soll keinesfalls die Begriffe "Elite" oder Excellence" im Titel tragen, weshalb der Arbeitstitel derzeit "Austrian Institute of Science and Technology (AIST) lautet - sind einmalige Errichtungskosten von 80 Mio. Euro geplant (dieser Betrag beinhaltet 30 Mio. Euro Laborausstattung, aber keine Grundstückskosten). Die laufenden jährlichen Kosten sollen im ersten Jahr 22 Mio. Euro betragen, bis zum sechsten Jahr auf 41 Mio. Euro und ab dem zehnten Jahr auf 71 Mio. Euro steigen. In dem Zwischenbericht ist als Diskussionsgrundlage von einer Finanzierung von 50 Prozent durch den Bund und der anderen Hälfte durch Gebietskörperschaften und/oder Dritte wie Unternehmen oder Private die Rede. Die laufenden Kosten sollen durch ein Bundesgesetz für 15 Jahre sichergestellt werden.

Dagegen habe der Finanzminister bei einem Gespräch mit ihm, Mainoni, von einer Drittelregelung gesprochen, wonach der Bund, die regionalen Gebietskörperschaften und die Wirtschaft jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen sollten. Eingeplant habe der Finanzminister bisher aber lediglich "ein paar Millionen für die Projektplanung", alles Weitere werde man erst sehen, berichtete der Staatssekretär.

Prinzipiell befürwortet Mainoni die Einrichtung einer Elite-Uni in Österreich. Er teilt aber die Sorge von Kritikern, dass die bestehenden Hochschulen durch eine solche Institution finanziell und vom Image her benachteilt werden. Angesichts der Entwicklungen in Europa - so planen etwa Tschechien und Deutschland Elite-Einrichtungen - komme man nicht daran vorbei, "wenn wir es nicht machen, haben wir Brain Drain in einem verstärkten Ausmaß", so Mainoni.

Organisation bereits detailliert geregelt
Für Verwunderung in der Arbeitsgruppe hätten die im Vergleich zu anderen Punkten bereits sehr detailliert vorliegenden Vorschläge für die Organisation der künftigen Elite-Uni gesorgt, meinte Mainoni. So soll ein aus sechs bis zwölf Vertretern der Geldgeber (davon mindestens ein angesehener ausländischer Wissenschafter) zusammengesetztes Aufsichtsgremium u.a. grundlegende strategische Entscheidungen treffen, Präsidenten, Verwaltungsdirektor und wissenschaftlichen Beirat bestellen. Der Präsident solle alle operativen Entscheidungen inklusive Berufungen treffen und damit sehr mächtig sein, was laut Mainoni ebenfalls "Unruhe" erzeugt hat.

Im AIST sollen am Beginn zehn Gruppen zu je fünf Forschern arbeiten, nach zehn Jahren 25 bis 30 Gruppen und 400 bis 500 Forscher. Für die Lehrleistungen sollen sozial gestaffelte Studiengebühren zu entrichten sein, deren Höhe das AIST selbst festsetzt. Klar ist laut Mainoni, dass ein eigenes Gesetz für die Errichtung der Elite-Uni notwendig ist, das Privatuni-Gesetz reiche dafür nicht.

Laut Gehrer ist einstimmiger Tenor der Arbeitsgruppe, "eine perfekte Wechselwirkung mit den bestehenden Universitäten zu finden". Austausch von Personal und Studenten oder auch langfristige Wirkung auf die heimische Wirtschaft seien wichtige Basispunkte, damit eine entsprechende Abstimmung mit den Universitäten gefunden werden könne. Die Elite-Uni dürfe aber keine Kopie bereits bestehender Universitäten werden. "Aufgezwungene Kooperationen sind zum Scheitern verurteilt", so Gehrer. (apa)

5.4.2005 15:40