Montag, 4. April 2005

Stanismus, Scientology, Esoterik & Co.: Sektenbericht ortet zersplitterte Szene

  • Boom der Gebrauchsesoterik hält weiter an
  • 1.602 Personen wollten Auskunft über 296 Gruppierungen

Der Trend zur Zersplitterung der "weltanschaulichen Szene", aber auch der Boom der "Gebrauchsesoterik" hält an. Wie aus dem Jahresbericht 2003 der Bundesstelle für Sektenfragen hervorgeht, wandten sich 1.602 Personen an die Anlaufstelle und erkundigten sich über 296 verschiedenen Gruppierungen. 2002 hatten 1.734 Personen Auskunft zu 254 Gruppierungen gesucht.

Die häufigsten Anfragen betrafen 2003 ähnlich wie im Jahr davor Scientology, gefolgt von Satanismus und den Zeugen Jehovas - die allerdings eine eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft sind - gefolgt von Pfingstlern, Evangelikalen und Charismatikern. Rückläufig waren die Erkundigungen über die Holosophische Gesellschaft (Thakar Singh). Auch zu staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften wie den Mormonen gibt es immer wieder Anfragen.

Zum Thema Satanismus und besonders Jugendsatanismus halten die Autoren des Berichts fest, dass sich zwar einige Verdachtsfälle von satanistischem Hintergrund bei genauerer Prüfung nicht bestätigt hätten, die Szene aber Nährboden für rechtsextremes, rassistisches und zum Teil menschenverachtendes Gedankengut biete.

Der Bereich Esoterik, insbesondere die so genannte "Gebrauchsesoterik", ist laut dem Bericht in der österreichischen Bevölkerung bereits "gut verankert". Die verbreitete Akzeptanz mache eine explizit kritische Auseinandersetzung mit dem Bereich schwierig, die Betroffenen seien fast immer volljährige und mündige Erwachsene und die Szene selbst "ein unüberschaubares Sammelbecken von Organisationen, kleinen Gruppierungen und Einzelanbietern".

In 644 Fällen ließ die 1998 eingerichtete Bundesstelle für Sektenfragen den Betroffenen neben Sachinformation intensive psychologische Betreuerung zukommen. Die meisten Personen nahmen diese aus Sorge um Angehörige in Anspruch, bei 137 Fällen lag in beruflichem Kontext, 99 Personen kamen in eigener Sache.(apa/Red)

4.4.2005 13:52