Montag, 4. April 2005

Mit Schrotflinte in Haus verschanzt: Bewaffneter Mann in Salzburg ergibt sich

  • Mehrparteienhaus im Stadtteil Morzg war Schauplatz
  • Verdacht von Besitz von kinderpornografischen Material

Unblutig zu Ende gegangen ist am Montag ein Großeinsatz der Sondereinheit Cobra in der Stadt Salzburg. Bei einer routinemäßigen Hausdurchsuchung hatte ein 36-jähriger Programmierer drei Kriminalpolizisten mit einer Schrotflinte bedroht und sich dann in seiner Wohnung verschanzt. Der Salzburger steht im Verdacht, kinderpornografisches Material zu besitzen und sexuellen Missbrauch an Unmündigen begangen zu haben. Gegen 13.00 Uhr ließ sich der Mann schließlich widerstandslos festnehmen. Die Festplatte seines Computers hatte er in der Zwischenzeit zerstört.

Als die Beamten gegen 8.30 Uhr die Hausdurchsuchung in dem Mehrparteienhaus in der Georg-Rendl-Straße im Stadtteil Gneis vornehmen wollten und an der Wohnungstüre des Programmierers läuteten, öffnete der Mann mit gezückter Waffe und bedrohte die Polizisten. Falls sie nicht verschwinden, dann würde er einen Beamten als Geisel mit in die Wohnung nehmen oder sich selbst erschießen, schilderte Salzburgs Kripo-Chef Rudolf Feichtinger das äußerst gefährliche Szenario.

Der 36-Jährige befand sich alleine in seiner Wohnung. Nachdem die Umgebung des Hauses großräumig abgeriegelt, Scharfschützen aufgestellt und die Sicherheit der anderen Hausbewohner gewährleistet worden war, versuchte eine psychologisch geschulte Verhandlungsgruppe der Polizei, mit dem Mann ins Gespräch zu kommen und ihn zum Aufgeben zu bewegen. Da die Beamten nicht in die Wohnung durften, nahmen sie via Handy Kontakt mit dem Lebensüberdrüssigen auf. Auch der Anwalt des Salzburgers nahm an den Gesprächen teil.

Gegen 13.00 Uhr konnte der Salzburger zur Aufgabe überredet werden. Er kam mit erhobenen Händen freiwillig aus seiner Wohnung und ließ sich von vier bis fünf Polizisten widerstandslos festnehmen. Mit einer Jacke über dem Kopf wurde er in ein Polizeiauto gesetzt und zur Einvernahme in die Polizeidirektion gebracht. Insgesamt beteiligten sich 15 Mitglieder der Cobra, 13 Sicherheitswachebeamte und fünf Kriminalbeamte am Einsatz.

Nach der Festnahme begannen die Kriminalbeamten mit der Hausdurchsuchung. Sie fanden eine Webcam und einen Computer, dessen Festplatte der Verdächtige vermutlich am Vormittag noch schnell zerstört hatte. Zeugen hatten der Polizei im Vorfeld berichtet, dass der Mann einschlägig gedruckte Bilder und Zeitschriften an Kinder und Jugendliche weitergegeben habe. Zudem soll er sich Unmündigen sexuell genähert haben.

Der Programmierer wird vorerst wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und wegen gefährlicher Drohung angezeigt. Als Gewalttäter war er bisher noch nicht aufgefallen, erklärte Feichtinger. Allerdings sei er mit einigen Strafverfahren wegen Kinderpornografie konfrontiert gewesen. (apa)

4.4.2005 15:18