Montag, 4. April 2005

Der große Vertrauens-Test: Österreichs Polizei erobert sich Spitzenposition zurück

  • 79 Prozent sehen Exekutive als "sehr vertrauenswürdig"
  • Regierung und EU landen auf den letzten Plätzen

Die Polizei ist in Österreich der Gewinner eines Vertrauens-Test, durchgeführt von Reader's Digest. Die Regierung und Europäische Union landeten dagegen auf den letzten Plätzen und gelten unter 14 untersuchten Institutionen als am wenigsten vertrauenswürdig. Auch die Kirche steht auf den hinteren Rängen: Nur 38 Prozent der Österreicher schenken der Kirche ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen. Dies teilte die Zeitschrift am Montag in Stuttgart und Wien mit.

Die Polizei eroberte sich die Spitzenposition im Vertrauens-Ranking zurück, nachdem sie im Vorjahr von der Institution der Ehe auf Platz zwei gedrängt worden war. 79 Prozent der Österreicher sehen die Exekutive der Befragung zufolge als eine "sehr" bzw. "ziemlich" vertrauenswürdige Institution an. Der Wert für die Ehe ging gegenüber dem Vorjahr leicht zurück und erreichte 75 Prozent, gefolgt vom Radio mit 71 Prozent. Das Fernsehen landete mit 57 Prozent auf Platz sechs, die Presse mit 46 Prozent auf Platz neun.

"Die Regierung behält trotz eines Aufwärtstrends die rote Laterne, wenn es um das Vertrauen der Bevölkerung geht", so Reader's Digest. Lediglich etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Bevölkerung bringt demnach dem Kabinett von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen entgegen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Wert jedoch verbessert: Da waren es 23 Prozent. Mit diesem Ergebnis liegt die österreichische Regierung heuer über dem europäischen Durchschnitt.

Bei den Österreichern punktet die Mannschaft von Schüssel vor allem mit der Gesundheitspolitik sowie der Bildungs- und Erziehungspolitik. 58 Prozent bzw. 54 Prozent bringen der Regierung in diesen Themenfeldern ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen entgegen. In der Pensionspolitik haben 79 Prozent der Österreicher "ziemlich wenig" bzw. "kein" Vertrauen in die Regierung, in der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sind es 76 Prozent und in der Einwanderungspolitik sogar 85 Prozent.

Das Vertrauen der Österreicher in den Euro ist nach einem Zwischenhoch im Vorjahr deutlich zurückgegangen. Brachten im Vorjahr noch 59 Prozent der Gemeinschaftswährung ein "sehr hohes" bzw. "ziemlich hohes" Vertrauen entgegen, ging der Wert nunmehr auf 48 Prozent zurück. Auch die Europäische Union hat Vertrauen verloren. Mit 29 Prozent (Vorjahr 34 Prozent) landet sie auf dem vorletzten Platz.

Die Gewerkschaften leiden europaweit unter Vertrauensentzug. In Österreich allerdings konnten sich die Gewerkschaften um fünf Prozentpunkte verbessern und landeten mit einem Wert von 34 Prozent noch vor der Europäischen Union auf dem drittletzten Platz.

Die Ergebnisse sind der europaweiten Verbraucherstudie "Reader's Digest European Trusted Brands 2005" entnommen. Zum fünften Mal hat die Zeitschrift das Vertrauen der Menschen in 14 europäischen Ländern in Marken und Institutionen ermittelt. Rund 25.000 Leser beteiligten sich von September bis November vergangenen Jahres an der Umfrage, davon 700 in Österreich. Die Ergebnisse wurden repräsentativ zur jeweiligen Altersstruktur der Bevölkerung ermittelt, so die Zeitschrift.

.ÖsterreichEuropa
Polizei79 (71)56 (56)
Ehe75 (77)72 (73)
Radio71 (74)72 (72)
Öffentliche Verkehrsmittel68 (63)57 (56)
Post63 (57)68 (71)
Fernsehen57 (55)57 (57)
Bundesheer55 (57)58 (59)
Euro48 (59)50 (52)
Presse46 (47)45 (47)
Internationale Unternehmen39 (44)34 (36)
Kirche38 (37)43 (43)
Gewerkschaften34 (29)29 (29)
Europäische Union29 (34)39 (42)
Regierung28 (23)25 (28)

Quelle: Reader's Digest European Trusted Brands 2005

(apa)

4.4.2005 11:46