Treffen in Wien: Mohammad Khatami verteidigt das Atomprogramm des Iran
- Staatspräsident besuchte Bundespräsident Fischer
- Khatami verurteilt Massenvernichtungswaffen scharf
Der iranische Staatspräsident Mohammad Khatami hat bei seinem Besuch in Wien bekräftigt, dass sein Land Atomtechnologie zu friedlichen Zwecken nutzen will. Als Gründe dafür nannte er einerseits die Deckung des iranischen Energiebedarfs, andererseits die hohe Umweltbelastung durch mit Hilfe von Erdöl gewonnener Elektrizität. Nachdem er am Montag von Bundespräsident Heinz Fischer empfangen wurde, verurteilte er gleichzeitig Nuklearwaffen. "Wir müssen uns bemühen, alle Waffenfabriken, die die Existenz der Menschen bedrohen, aus dem Weg zu schaffen", sagte Khatami vor Journalisten.
Den Vorwurf der USA, wonach der Iran Uran anreichern wolle, um es für Kernwaffen einzusetzen, wies Khatami erneut zurück. Sein Land wolle in punkto friedlicher Nutzung der Nukleartechnologie nur etwas, was ihm zustehe. Zu den Atom-Verhandlungen von Paris, London und Berlin im Namen der Europäischen Union mit Teheran zeigte sich der Präsident zuversichtlich. Er hoffe auf eine Lösung, die sowohl eine friedliche Nutzung ermögliche als auch die Sorgen der europäischen Partner über eine mögliche militärische Nutzung beseitige.
Die Europäische Union will einen freiwilligen Verzicht Teherans auf Urananreicherung erwirken. Im März war der Dialog wieder aufgenommen worden, nachdem vorherige Treffen in Paris ergebnislos geblieben waren. Die EU prüft derzeit einen iranischen Vorschlag, dem Land die Anreicherung von Uran unter Aufsicht zu erlauben. Khatami, der von Außenminister Kamal Kharrazi begleitet wird, will noch am Montag von der Bundeshauptstadt nach Paris weiterreisen.
"Hoffe, dass wir eines Tages selbst Atomkraftwerke bauen können"
"Als Entwicklungsland sind wir sehr an der friedlichen Nutzung (der Kernkraft) interessiert", führte Khatami aus und warb um ausländische Unterstützung, den iranischen Energiebedarf zu decken. "Ich hoffe, dass wir eines Tages selbst Atomkraftwerke bauen können." Die immensen Erdölreserven der Islamischen Republik sollten nicht aufgebraucht, sondern auch späteren Generationen zugänglich sein, ergänzte er.
Auch zwischen Außenministerin Ursula Plassnik (V) und ihrem Amtskollegen Kharrazi war das iranische Atomprogramm Hauptgesprächsthema. Österreich unterstütze die Gespräche zwischen der EU und Teheran. Dabei gehe es vor allem darum, eine Basis des gegenseitigen Vertrauens zu schaffen, um Besorgnisse der internationalen Staatengemeinschaft über das Nuklearprogramm auszuräumen, teilte die Außenministerin in einer Aussendung mit.
Khatami äußerte sich in Wien auch zur Lage im Irak, für den er eine demokratische Regierung forderte: Die Souveränität und Einheit des Nachbarlandes müsse erhalten bleiben, keine religiöse bzw. keine ethnische Gruppe solle bevorzugt werden, sagte der Staatspräsident. Im Irak würde nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Besatzer unter der Terror-Gewalt leiden.
Bundespräsident Fischer bezeichnete die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und dem Iran als ausgezeichnet. "Die Arbeit, die wir in den vergangenen Jahren investiert haben, hat sich gelohnt", sagte Fischer. Khatami würdigte Fischers verstorbenen Vorgänger, Thomas Klestil. Dieser hatte den Iran zwei Mal als Bundespräsident - 1999 und 2004 - besucht. Klestil empfing Khatami 2002 in der Hofburg. Seinen großen Schmerz drückte der Staatsgast erneut auch über den Tod von Papst Johannes Paul II. aus.
Der in Kürze nach acht Jahren aus dem Amt scheidende Khatami traf am Montag auch mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) zusammen. Am Nachmittag ist ein Besuch bei Nationalratspräsident Andreas Khol (V) im Hohen Haus geplant. Der dem gemäßigten Lager zuzurechnende Politiker darf nach zwei Amtsperioden nicht als Staatschef wieder kandidieren. Mit seinen Reformen war er oft am politischen System des Iran mit den obersten Gremien des konservativen schiitischen Klerus an der Spitze gescheitert. (apa)
