Montag, 4. April 2005

Qualitätsoffensive: DaimlerChrysler ruft weltweit 1,3 Mio. Mercedes-Pkw zurück

  • Überprüft werden Modelle der Baujahre 2001 bis heute
  • Auch 14.000 österreichische Mercedes sind betroffen

Die größte Rückrufaktion in der Geschichte von Mercedes-Benz, ein milliardenschweres Sanierungsprogramm für die defizitäre Tochter Smart: Bei DaimlerChrysler reißen dieser Tage die schlechten Nachrichten nicht ab.

Konzernchef Jürgen Schrempp hat jetzt mit Blick auf die weltweit rund 1,3 Millionen Fahrzeuge, die zur Überprüfung von Elektronik und Bremsen in die Werkstatt gerufen werden, jetzt erstmals Fehler eingeräumt. Man habe sich zu sehr auf die Lieferanten verlassen, sagte er am Wochenende dem "Spiegel". Angesichts der Qualitätsprobleme wolle er nicht die Lieferanten kritisieren: "Letztlich stehen wir als Hersteller in der Pflicht - gegenüber unseren Kunden", betonte der Konzernchef. Aber es sei falsch gewesen, "sich voll und ganz auf die Systemlieferanten zu verlassen, die ein komplettes Navigationssystem oder Motorenmanagementsystem liefern, und darauf zu vertrauen, dass die einzelnen Teile, wenn sie miteinander vernetzt sind, im Auto auch funktionieren". Doch man habe die Probleme mittlerweile im Griff. "Die Autos, die heute aus den Fabriken kommen, sind die besten, die wir je ausgeliefert haben", erklärte Schrempp. "Ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind, bringen wir in Ordnung." Ein großer Teil der Probleme sei auf die Elektronik zurückzuführen. Deshalb habe DaimlerChrysler seine Kompetenz auf dem Elektroniksektor gestärkt, "weil wir sonst nicht die Qualität garantieren können, für die Mercedes-Benz steht".

Bitteres Sparprogramm
Nach Angaben von DaimlerChrysler ist von dem Rückruf unter anderem eine gemeinsam mit Bosch entwickelte Bremse betroffen. Wegen der Bremse habe es bereits Unfälle mit geringen Sachschäden gegeben, hatte der Autobauer am Donnerstag erklärt. Am Freitag verordnete der Konzern seiner Kleinwagenmarke Smart ein bitteres Sparprogramm: 700 Stellen werden bis zum nächsten Jahr gestrichen - davon 600 in der Zentrale in Böblingen. Die Restrukturierungsmaßnahmen werden den Autobauer allein in diesem Jahr bis zu 1,2 Mrd. Euro kosten. Ziel ist es, Smart bis 2007 aus den roten Zahlen herauszubekommen.

Umsatzrendite auf 7 Prozent
Mercedes-Chef Eckhard Cordes rechtfertigte unterdessen die Rückrufaktion. "Alles, was wir jetzt wissen, bringen wir auch jetzt in Ordnung. Das sind wir unseren Kunden schuldig", sagte er dem "Focus" am Wochenende. Dem Nachrichtenmagazin zufolge muss DaimlerChrysler wegen der hohen Kosten für Garantie und Kulanz in der Bilanz derzeit für jedes Fahrzeug eine Rückstellung von etwa 1.000 Euro bilden - egal ob für einen Lkw, Chrysler, Smart oder Mercedes.
Verstärkung erhält Cordes künftig vom bisherigen Leiter der amerikanischen Lkw-Tochter von DaimlerChrysler, Rainer Schmückle. Als Chief Operating Officer wird der 45-Jährige, der sich in den USA bei der DaimlerChrysler-Tochter Freightliner einen Namen als erfolgreicher Sanierer gemacht hat, künftig für die Bereiche Produktion, Einkauf und IT der Mercedes Car Group zuständig sein. Besonders soll sich Schmückle um die Umsetzung des Kostensenkungsprogramms Core kümmern, mit dessen Hilfe Mercedes die Umsatzrendite auf 7 Prozent bringen will. Sein Nachfolger bei der Lkw-Tochter wird der Freightliner-Manager Christ Patterson, wie DaimlerChrysler am Samstag weiter mitgeteilt hatte. (APA/red.)

4.4.2005 12:48