FORMAT über die Trends im Tourismus:
So urlaubt Österreich im Sommer 2005
- Warum Italien der Verlierer ist und Kroatien boomt
- Warum in Österreich der Trend zum Kurzurlaub zunimmt

·Luxus-Urlaube boomen wie noch nie
Diashow: FORMAT nennt die aktuellen Reisetrends
·FORMAT: Kroatiens größte Hoteliers
BILDER: 2 Österreicher geben sich finanzkräftig
·Kurzurlaube und Tagesflüge im Trend
Experte: Urlauber gehen mit Geld sparsamer um
Wie die sprichwörtlichen Sardinen in der Dose drängten sich einst die urlaubshungrigen Sonnenanbeter am Strand von Bibione. Heuer wird das G'riss um Liegen und Schirme dort wohl nicht ganz so groß sein. Denn immer mehr Österreicher sagen ihrem einstigen Paradeurlaubsland Italien Arrivederci und wandern ab - nach Kroatien.
"Für die meisten Österreicher bedeutet Urlaub schlicht die Kombination aus Sonne, Strand und Liegestuhl. Wenn sie das, wie in Kroatien, um ein Drittel billiger bekommen, sind sie durchaus bereit, alte Gewohnheiten aufzugeben", erläutert Tourismusexperte Peter Zellmann die Untreue gegenüber Caorle & Co.
Wohin gefahren wird, entscheiden die heimischen Urlauber immer später, besagt eine aktuelle Studie des Wiener Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT).
Eine Tendenz, von der vor allem Autoreiseziele wie Kroatien profitieren - und die die Pauschalreiseveranstalter ächzen lässt: Der Anteil jener Reisenden, die ihren Urlaub selbst organisieren, statt ein Gesamtpaket zu buchen, liegt mittlerweile bei über 50 Prozent. Für die Reisebüros brachte das im Februar ein schmerzhaftes Minus von 6,5 Prozent im Vorjahresvergleich. "Die Selbstorganisation wird einfacher, nicht zuletzt dank der Billigflieger. Das spüren wir natürlich", sagt Josef Peterleitner vom Veranstalterriesen TUI.
Wie dramatisch sich das Reiseverhalten der Österreicher gewandelt hat, zeigt auch ein Blick auf die Aufenthaltsdauer: Waren es 1997 noch 13,4 Tage, gönnt man sich heute im Schnitt nur mehr 11 Tage Erholung (siehe Grafik rechts). Aber nicht nur der mehrwöchige Badeulaub scheint "out" zu sein, sondern auch Urlaub in Österreich: Satte drei Prozent büßten die heimischen Tourismusregionen im letzten Jahr ein, auch die verbliebenen 25 Prozent Marktanteil werden heuer schwer zu halten sein.
Dubrovnik - das bessere Rimini?
Vier Prozent Marktanteil bei den österreichischen Urlaubern hat Italien seit dem Jahr 2000 verloren. Hauptgrund: Die Ragazzi haben hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses einen Imageschaden erlitten. "Durch den Euro sind die Preise transparenter und damit besser vergleichbar geworden", sagt Tui-Mann Peterleitner. Zudem entsprächen die italienischen Hotelburgen nicht mehr den Anforderungen, familienfreundliche Anlagen seien gefragt.
Als großen Gewinner der italienischen Schwäche sieht die IFT-Studie Kroatien, das lange ein traditionelles Österreicher-Ziel war. Nun sticht die Preiskarte wieder, der derzeitige Boom sprengt jedes bisher gekannte Niveau. Ebenfalls auf der Gewinnerseite: Griechenland, das auf Kosten des Dauerrivalen Türkei heuer die Zehn-Prozent-Hürde überspringen wird (siehe Grafik links).
Faktor Billigflieger
Der Höhenflug der Low-Cost-Carrier erhöht nicht nur die Zahl der Selbstorganisierer und bringt so die Pauschalveranstalter unter Druck. Skyeurope & Co lösten auch einen Städtereiseboom aus, der für die gesamte Branche Folgen hat. "Die Urlauber buchen heute lieber nur eine Woche Badeurlaub, wenn sich dafür noch eine Städtereise ausgeht", so Andreas Zenker vom Verkehrsbüro.
Diese Entwicklung kriegt auch das Zielland Österreich zu spüren. "Wir entwickeln uns zu einer klassischen Kurztrip-Destination", sagt IFT-Chef Zellmann. Schon jetzt betrage die Verweildauer im Sommer weniger als vier Tage. Nach steten Verlusten bei den Inlandsgästen in den letzten Jahren rechnet Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, auch heuer mit einer "Zitterpartie". Trotzdem seien die Aussichten nicht hoffnungslos: "Inlandsurlaub erfolgt oft spontan, die Prognosen könnten also übertroffen werden. Österreich ist ein klassischer Lückenfüller." (FORMAT 13/05)
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