Mittwoch, 30. März 2005

Gerhard Haderer: Der Kreuzzug

Der Skandal um sein Jesus-Buch, seine Abrechnung mit der Amtskirche und Österreich.

Eine strähnige Matte, im Nacken zu einem Pferdeschwanz gebunden: Was er früher auf dem Kopf trug, nennt man gemeinhin Jesus-Frisur. Heute ist sein Haar ehrenvoll ergraut und bürgerlich gekürzt – vergeblich: Mittlerweile nennt man ihn gemeinhin „Jesus-Vernaderer“.

Als Star-Cartoonist Gerhard Haderer vor zwei Jahren seinen Bildband „Das Leben des Jesus“ vorlegte, empörten sich Klerus und Schüssel-ÖVP über die „Schmähschrift“ und die „Schundzeichnungen“.

Himmel, Hölle, Hellas. Nach einer Schocksekunde von 24 Monaten wurde die Edelfeder sogar zu sechs Monaten Haft verurteilt – wegen „Gotteslästerung“. Und zwar in Griechenland, wo der Bestseller erst kürzlich erschien.

Haderer ging in Berufung, am 13. April wird verhandelt. Dennoch besteht gegen den Linzer Cartoonisten ein aufrechter europäischer Haftbefehl, der im Extremfall durchaus exekutiert werden könnte, sobald er Österreich verlässt.

Was den Künstler jedoch noch mehr empört als die griechische Paragrafentragödie: dass ihm bislang kein heimischer Regierungspolitiker staatsbürgerlichen Schutz zusicherte.

Nun geht der medienscheue Künstler im NEWS-Interview erstmals in die Offensive. Gerhard Haderer – seine große Österreich-Abrechnung.

NEWS: Herr Haderer, verbinden Sie mit der katholischen Kirche negative Kindheitserfahrungen?
Haderer: Mit der dunklen Vergangenenheit eines missbrauchten Internatszöglings kann ich nicht aufwarten. Ich stamme aus einem bürgerlich-katholischen Elternhaus, in dem die christlichen Rituale sehr liberal gehandhabt wurden. Mitte 20 habe ich dann als denkender Mensch meine beiläufige Mitgliedschaft zu diesem Verein, zu dem ich nie eine tiefere Beziehung hatte, aufgekündigt.
NEWS: Bedeuten Denken und Kirche denn einen Widerspruch?
Haderer: Aber nein! Was mich wirklich ärgert, ist die Instrumentalisierung der Religion durch Politik und Kirche, diese machtpolitische Vereinnahmung durch Schüssel und Kollegen. Einerseits ist es anlässlich diverser Regierungserfolge Usus geworden, Wallfahrten nach Mariazell zu veranstalten. Andererseits gibt es sehr viele – zynisch Reformen genannte – soziale Eingriffe, die mit christlichen Gedanken schwerlich in Einklang zu bringen sind.

Das ganze Interview lesen Sie im neuen NEWS

30.3.2005 17:16