Assad: ,Ich will Frieden
- Der syrische Präsident im Exklusiv-Interview mit NEWS

Baschar al-Assad, der Präsident Syriens, über den Truppenabzug aus dem Libanon, den Mord an Rafik Hariri, das Verhältnis zu den USA, Friedensangebote an Israel und seinen Führungsstil.
Baschar al-Assad ist ein höflicher Mann. Als das NEWS-Team ihn in seinem privaten Büro in den Hügeln am Rande der Hauptstadt Damaskus zum Interview trifft, kommt er persönlich an die Schwelle zur Begrüßung.
Der syrische Präsident steht unter enormem Druck: Ein am Tag vor dem Interview erschienener UN-Report weist Syrien eine Mitschuld an jenem Anschlag zu, dem der frühere libanesische Premierminister Rafik Hariri am 14. Februar 2004 zum Opfer fiel. Assad hat nach dem Anschlag den bis-herigen Geheimdienstchef Hassan Chali abgelöst und durch seinen Schwager, Brigadegeneral Assef Schaukal, ersetzt. Manche Beobachter deuten das als Versuch, die vielfach eigenständig operierenden Geheimdienste besser in den Griff zu bekommen. Syrien hat mit dem Mord nichts zu tun, ist die Botschaft des Präsidenten. Die Destabilisierung des Libanon schade vor allem dem Nachbarn Syrien, meint Assad.
Ist Assad der geeignete Führer für Syrien? Braucht das Land nicht einen stärkeren, entschlosseneren Führer?, fragen sich arabische Journalisten. Hält er wirklich die Zügel in der Hand?, zweifeln westliche Beobachter. Im NEWS-Gespräch gab Assad sich entspannt, betonte, er werde seinen Reformweg in der bestmöglichen Geschwindigkeit weitergehen, und erklärte zur Frage der politischen Führung, das sei eben der neue Stil einer jungen Generation arabischer Führer. Den USA und Israel streckte er verbal Olivenzweige hin. Soll heißen: Ich will Frieden.
NEWS: Herr Präsident, Syrien steht unter enormem internationalem Druck. Wie sehen Sie die aktuelle Lage Ihres Landes?
Baschar Al-Assad: Der UNO-Sicherheitsrat hat die Resolution 1559 verabschiedet, in der von uns der vollständige Rückzug aus dem Libanon gefordert wird. Wie am 12. März angekündigt, habe ich die Absicht, die Forderung der UNO zügig zu erfüllen. Ich stelle aber auch klar, dass dieser Abzug schon im Jahr 2000 lange vor der UN-Resolution begonnen hat. 63 Prozent unserer im Libanon stationierten Truppen, 40.000 Mann, wurden in dieser Zeit abgezogen, weitere 14.000 seit Verabschiedung der Resolution. Nun sind noch ca. 10.000 Mann im Land, die bald abziehen. Die UN-Resolution übt also Druck aus, obwohl wir längst mit dem Rückzug begonnen haben. Der Unterschied ist lediglich, dass wir mit den Libanesen unseren eigenen Fahrplan akkordiert haben. Nun folgen wir eben der UN-Resolution. Okay, damit haben wir kein Problem. Es sieht nun so aus, als ob wir dem Druck der UNO nachgeben würden in Wirklichkeit aber entspricht der Abzug unseren Planungen. Wenn im April der UNO-Bevollmächtigte Terry Rod Larsen kommen wird, werde ich ihm bereits das konkrete Datum des Abschlusses unseres Rückzuges nennen können.
NEWS: Sie sprechen vom Totalrückzug. Es gab syrische Stimmen, die meinten, man solle eine Militärbasis in der libanesischen Bekaa-Ebene erhalten.
Assad: Ich habe immer vom Totalabzug geredet und nie von einer Truppenverschiebung.
Das komplette Exklusiv-Interview mit dem syrischen Präsidenten lesen Sie im neuen NEWS
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