Sonntag, 3. April 2005

"Müssten heute mehr bieten": Swisscom will Telekom Austria noch immer haben

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Nachdem seine Übernahmepläne in Tschechien zu scheitern scheinen, konzentriert sich das Kaufinteresse von Swisscom-Chef Jens Alder wieder auf Österreich, er spricht schon wieder von Telekom Austria (TA) und er weiß, dass er jetzt mehr hinblättern müsste als beim letzten Versuch Mitte 2004. Ob es in einem neuen Anlauf 18 Euro je Aktie sein könnten, wird von ihm nicht kommentiert.

Der Vorstandsvorsitzende des schweizerischen Telekomriesen Swisscom erklärt in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag", nach wie vor an der TA interessiert zu sein. Und er räumt ein, dass er diesmal einen höheren Preis je Aktie zahlen müsste als beim ersten Anlauf: "Wir müssten heute mehr bieten für Telekom Austria", stellt Alder wörtlich fest.

Im Sommer 2004 war ein Verkauf der börsenotierten österreichischen Telekom Austria an die Schweizer in letzter Minute geplatzt. Swisscom-Chef Alder hatte in den letzten Wochen aber bereits wieder die Telekom Austria als mögliches Kaufobjekt ins Gespräch gebracht. Ob er es wirklich noch einmal versuchen würde?

"Für die Swisscom hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert", erklärt dazu Alder in dem NZZ-Interview. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es sinnvoll ist, Telekom Austria zu übernehmen. Doch die österreichische Regierung will ihre Sperrminorität von über 30 Prozent noch nicht verkaufen. Also ist für uns auch alles offen." (Die Staatsholding ÖIAG hält noch 25,2 Prozent, allerdings exklusive 5-prozentiger Wandelanleihe, Anm.)

Der Abbruch der Verhandlungen im vergangenen Sommer war in den Augen von Alder ein politischer Entscheid in Österreich. Zu "Stilfragen" wolle er sich nicht äussern.

"Nüchtern betrachtet, ist ein Zusammenschluss von Swisscom und Telekom Austria eine der sinnvollsten Transaktionen überhaupt in der Telekombranche", betont der Swisscom-Konzernvorsitzende an diesem Wochenende in der Schweizer Zeitung.

Die Telekom-Austria-Aktie notiert derzeit bei rund 15 Euro. Etwa so viel wollte die Swisscom 2004 bezahlen. Dass die Schweizer heute mehr pro Aktie bieten müssten als im Vorjahr, bestätigt Alder in dem Interview: "Sicher. Wir müssten heute mehr bieten für Telekom Austria. Schließlich verdient das Unternehmen in der Zwischenzeit wieder Cash."

Auf Nachfrage der Zeitung, wie viel er den Telekom-Austria-Aktionären heute bieten würden, und ob es 18 Euro sein könnten, dazu hüllt sich Alder allerdings in Schweigen: "Dazu sage ich gar nichts".

Neben der Telekom Austria sähe Alder weitere Akquisitionsobjekte im Ausland. Dazu nennt er aber keine Namen. "Sicher über 200" Kaufobjekte habe die Swisscom in den vergangenen fünf Jahren geprüft. "Uns sind die wildesten Sachen angeboten worden", erzählt Alder. "Teilweise genügten zwei Minuten für die Analyse und weitere zehn Minuten für den Absagebrief." (apa)

3.4.2005 14:30