Der Maharadscha der Lüfte: Österreicher managt größte Privatairline Indiens!
- FORMAT: Prock-Schauer geht jetzt sogar an die Börse
- Jet-Airlines-Boss fühlt isch in Mumbai pudelwohl
Vom Fenster seiner 350-Quadratmeter-Suite im 14. Stock des Hiranandani-Gardens-Tower blickt Wolfgang Prock-Schauer direkt auf den malerischen Lake Powai. Dort, rund 26 Kilometer nördlich der Wirtschaftsmetropole Mumbai, lebt der 48-jährige Niederösterreicher seit fast zwei Jahren und fühlt sich pudelwohl. "Außer meiner Familie fehlt mir nichts", sagt Prock-Schauer. "Ich habe einen Chauffeur, eine Köchin und Personal, das sich tagsüber um meinen gesamten Haushalt kümmert. Meine Wünsche werden mir quasi von den Augen abgelesen."
Diese Spezialbehandlung ist kein Zufall. Immerhin zählt der bekennende Katholik im Land der Swamis, Saris und Maharanis zur absoluten Managerelite. Denn was bisher nur eine kleine Gruppe von Airline-Insidern wusste: Wolfgang Prock-Schauer bekleidet seit 1. Juni 2003 die Position des Chief Executive Officer der Jet airways (India) Limited und ist damit für die größte Privatfluglinie Indiens verantwortlich. Jahresumsatz: 800 Millionen Euro. Marktanteil: 44 Prozent.
Der österreichische Maharadscha der Lüfte wurde von Firmengründer Naresh Goyal höchstpersönlich als Troubleshooter zu Jet Airways geholt. Goyal beklagte eine Airline mit 44 Millionen Euro Jahresverlust und einem riesigen Schuldenberg. Sanierer Prock-Schauer: "Die Debt-Equity-Ratio lag bei katastrophalen 51,6 zu 1. Jetzt liegt sie bei 1 zu 1." In der Folge krempelte der Waldviertler das Unternehmen komplett um: Die Arbeitsverträge wurden umgeschrieben, Leasingverträge neu ausverhandelt, ein brandneues Yield Management System zur Streckenoptimierung eingeführt und die Auslastung der Flieger von 62 auf 70 Prozent erhöht. Die so gesteigerte Produktivität im Passagierbereich kurbelte die Ticketverkaufszahlen an: Während im Geschäftsjahr 2002/03 noch 477 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf erlöst wurden, waren es im ersten Prock-Schauer-Jahr 2003/04 bereits 574 Millionen Euro. Die Kombination aus steigendem Umsatz und strengem Kostenmanagement brachte einen Gewinn von 29 Millionen Euro. Der Turnaround war so bereits nach einem Jahr geschafft (siehe Kasten links).
300.000 Euro Jahresgage und eine Luxuswohnung
Seinen größten Coup landete der "dreifache Familienvater ohne Freizeit" (Prock-Schauer) aber erst vor wenigen Wochen, als er Jet Airways nach nur dreimonatiger Vorbereitungszeit und zehntägiger "Roadshow around the World" (Prock-Schauer) an die Börse brachte. Die Aktienemission in Mumbai war sechzehnfach überzeichnet. Die insgesamt 17 Millionen Jet-Aktien, die 20 Prozent am Unternehmen repräsentieren, gingen weg wie warme Semmeln und schwemmten umgerechnet 340 Millionen Euro in die Kassen. Jet-Airways-Großaktionär Goyal wurde so über Nacht zum Milliardär: Sein 80-Prozent-Paket ist nun satte 1,6 Milliarden Euro Wert. Goyal will seinen Starmanager aus Österreich für weitere drei Jahre ans Unternehmen binden und ist bereit, den üppigen Vorstandsvertrag weiter aufzufetten. Der im Juni 2006 auslaufende Arbeitskontrakt garantiert JetAirways-Boss Prock-Schauer neben einem Jahressalär von 300.000 Euro und einer Luxuswohnung samt Personal auch Sonderbehandlung in der Luft. Prock-Schauer: "Ich bin rund 1.000 Flugstunden im Jahr geschäftlich unterwegs. Ich fliege nur First Class. So kann ich am besten arbeiten und nebenbei einen guten Wein genießen."
Angesichts seiner jüngsten Erfolge gönnen selbst extrem kritische Jet-Airways-Investoren wie Templeton, Fidelity und Prudential - "die größten Fonds der Welt" (Prock-Schauer) - dem Firmenkapitän seinen elitären Lebensstil. Die Wertschätzung schlägt sich auch im Börsenwert nieder: Jet Airways kommt auf eine Marktkapitalisierung von zwei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Austrian Airlines wird derzeit mit 270 Millionen Euro bewertet.
"Konziliant im Ton, aber hart in der Sache"
Der Airline-Manager, der seine "Liebe zum Steak gegen eine Karriere in Indien eintauschte", beschreibt sich als "konziliant im Ton, aber hart in der Sache". Prock-Schauer erwartet von seinen Mitarbeitern "Geradlinigkeit und Zielorientierung". Im Gegenzug steht seine Tür immer offen: "Terminvereinbarungen sind nicht nötig. Meine Mitarbeiter können bei mir jederzeit vorbeischauen."
Wolfgang Prock-Schauer wird am 12. November 1956 in Drosendorf an der Thaya geboren. Nach der Matura am Gymnasium Klosterneuburg (1975) startet er sein Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nach Studienabschluss (Diplomarbeit: "Consumer Behaviour and Implications for Marketing Strategies") heuert das Mitglied des 1. Klosterneuburger Tennisvereins im Jahr 1981 bei der AUA an. Prock-Schauer: "Das Airline-Business hat mich schon immer fasziniert und übt noch heute eine starke Anziehungskraft auf mich aus." Daran mussten sich auch Ehefrau Gerlinde sowie Julia, 17, Florian, 13, und Stefan, 11, gewöhnen, die den Familienvater gern öfter zu Gesicht bekommen möchten. Prock-Schauer: "In den Ferien besuchen sie mich in Mumbai, und mindestens einmal im Monat schaue ich in Klosterneuburg vorbei." Nachsatz: "Das ist der hohe Preis einer internationalen Karriere."
Die ganze Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!
Euro-Krise Spanien16:18
Spanien am AbgrundRettung einer maroden Großbank stößt Spanien tief in den Strudel der Euro-Krise
Steiermark19:54
Tödlicher TauchgangFrau fährt in einen Wasserkanal der Mur. Lenkerin wird nur noch tot geborgen.
EURO 2012 Deutschland19:32
EM ohne DraxlerLöw sortiert vier Spieler aus dem Teamkader aus. Auch Stürmer Cacau nur Zuseher.

