Montag, 2. Mai 2005

297.197 ohne Job: Arbeitslosigkeit im April um 4,5 Prozent höher als vor einem Jahr!

  • Plus bei Beschäftigten, kräftiger Anstieg bei Schulungen
  • Deutsche Gastarbeiter "Schuld" an der Jobmisere?

In Österreich haben im vergangenen Monat April 4,5 Prozent oder 12.888 Personen mehr Arbeit gesucht als noch vor einem Jahr. Insgesamt waren damit bereits knapp 300.000 (exakt 297.197) Menschen in Österreich arbeitslos gemeldet oder in Schulung. Besonders stark war der Anstieg in der Tourismusbranche und bei Jugendlichen. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Die Arbeitslosenquote blieb auf Grund eines kräftigen Anstiegs bei den Schulungen und eines leichten Plus bei den Beschäftigten mit 7,2 Prozent (nach 7,1 Prozent im Vorjahr) weitgehend konstant.

Die Zahl der Arbeitslosen ohne jene in Schulungen erhöhte sich gegenüber April 2004 um 5.253 oder 2,2 Prozent auf 245.809. In Schulung befanden sich im Vormonat 51.388 Arbeitslose, ein Plus von 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Beschäftigten legte um 1,1 Prozent auf 3,202.603 zu. Gegenüber dem Vormonat ging die Zahl der Arbeitslosen saisonbedingt um 9,8 Prozent bzw. 26.825 Personen zurück, teilte das Wirtschaftsministerium am Montag mit.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Vormerkdauer über einem Jahr ist Ende April 2005 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres mit minus 41,5 Prozent kräftig zurückgegangen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hingegen um 6,7 Prozent gestiegen. In der Altersgruppe der bis 19-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit mit plus 0,1 Prozent zwar nahezu konstant geblieben, dagegen ist sie bei den 20- bis 24-Jährigen mit 8,7 Prozent auf 31.537 gestiegen. Anteilsmäßig entfallen rund 82 Prozent des Bestandes aller Arbeitslosen auf Personen ohne abgeschlossene Schule sowie Personen mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss.

Bartenstein: "Verhaltene Konjunktur verantwortlich"
Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) macht die "nach wie vor verhaltene Konjunktur", den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Tourismus nach den Osterferien und den weiterhin anhaltenden Zustrom von deutschen Arbeitskräften für die ungebrochene Zunahme verantwortlich. Mehr als die Hälfte des Anstiegs der Arbeitslosigkeit sei demnach auf den Tourismus zurückzuführen.

Deutsche Gastarbeiter "Schuld" an der Jobmisere?
Die deutsche Nachrichtenagentur dpa warf am Montag daraufhin die Frage auf, ob deutsche Gastarbeiter "Schuld" am angespannten österreichischen Arbeitsmarkt hätten. Zurzeit arbeiten immerhin mehr als 45.000 deutsche Staatsbürger in Österreich - vor allem, wie berichtet, in der Tourismusbranche. Sie liegen damit bereits an dritter Stelle hinter Gastarbeitern aus Ex-Jugoslawien und der Türkei.

Regierung will Arbeitsplätze schaffen
Die ernüchternden Zahlen kommen eine Tag nach dem Arbeitsmarktgipfel in der Wiener Hofburg, zu dem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) Parteien, Sozialpartner und Wirtschaftsvertreter geladen hatte. Die Regierung hat danach für heuer und nächstes Jahr 225 Mio. Euro zusätzlich für Forschung und Entwicklung, 300 Mio. Euro mehr für Bahn- und Straßenbau, einen beschleunigten Kraftwerksbau und 10 Mio. Euro für den Internet-Ausbau angekündigt.

Kritik von Opposition und Sozialpartnern
Opposition, Gewerkschaft und Arbeiterkammer ist das zu wenig. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch (S) verlangte am Montag eine nachhaltige Steuerentlastung in Höhe von einer Mrd. Euro für kleine und mittlere Einkommen, insbesondere die Erhöhung der Negativsteuer von 110 auf 220 Euro und im Bereich der Infrastruktur einen zusätzlichen Investitionsschub über die Beschlüsse von Sonntag hinaus. "Wenn die Konjunktur schlecht ist, muss sich die Politik doppelt anstrengen und die Rahmenbedingungen so stellen, dass für mehr Beschäftigung gesorgt wird", meinte Verzetnitsch. Auch Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel erneuerte die Forderung nach einer zusätzliche Milliarde Euro für den Infrastrukturausbau.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) warnt jedoch in einer aktuellen Studie vor "Aktionen, deren Finanzierung budgetäre Löcher aufreißt". Der Schuldenstand sei mit 64 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) "relativ hoch". Österreich sei obendrein von Überalterung und Geburtenrückgang stärker als andere EU-Länder betroffen.

Die SPÖ meinte, die Rekordarbeitslosigkeit sei ein Ergebnis des Kurses von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und BZÖ-Chef Jörg Haider, der seit dem Jahr 2000 die Zahl der arbeitslosen Menschen täglich durchschnittlich um 40 ansteigen habe lassen. Die ÖVP wiederum warf der SPÖ eine Polemisierung und ein Schlechtreden vor.

Für die Grünen war der Gipfel in der Wiener Hofburg "ein neuer Tiefpunkt in Gorbachs Infrastrukturgewurschtel". Dies würden "grob fehlerhafte" Unterlagen belegen, die Gorbach bei dem Gipfel vorgelegt habe. "Offenbar sind Gorbachs Kabinetts-Mitarbeiter aber tatsächlich nur mehr mit BZÖ-Parteiarbeit beschäftigt", so die Grüne Verkehrssprecherin Gabriela Moser.

Die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) hat eine Studie präsentiert, wonach der durchschnittliche Lohnersatz - also Arbeitslosengeld und Notstandshilfe - von den Jahren 2000 bis 2004 real um 3,6 Prozent gesunken ist. Besonders starke Rückgänge haben demnach Bezieher von Notstandshilfe zu verzeichnen. (apa/red)

2.5.2005 17:48