FORMAT: Wer trägt den Aufschwung? Die Konjunktur kommt 2006 in Schwung!
- Prognosen: Einige Branchen starten schon früher
- PLUS: Die aktuellen Wachstumsprognosen im Detail
·2005/06: Wirtschaft in Österreich wächst!
Wifo & IHS erwarten 2,25 bis 2,5 Prozent Wachstum
Ob der neue Wifo-Chef Karl Aiginger zu den Leuten gehört, für die ein Glas halb voll oder halb leer ist, zeigt sich diesen Freitag: Falls Aiginger an seiner Prognose von 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum für 2005 festhält, zählt er zu den unerschütterlichen Optimisten. Bernhard Felderer, sein Kollege vom IHS, macht gegenüber dem von ihm im Dezember erwarteten Plus von 2,3 Prozent jedenfalls Abstriche: "Wir revidieren leicht nach unten." Der Zweier vor dem Komma bleibt aber auch in der IHS-Prognose stehen. Viel pessimistischer ist Stefan Bruckbauer von der Abteilung Konzernvolkswirtschaft der Bank Austria Creditanstalt: Die BA-CA setzte ihre Prognose vor wenigen Tagen von ohnehin mageren 1,9 auf nur mehr 1,7 Prozent herab. Erst für 2006 erwarten die Ökonomen einen stärkeren Aufschwung mit rund 2,4 Prozent Plus.
"Wir sehen, dass die Industriekonjunktur nachlässt und die Stimmung der Konsumenten nicht so richtig in Schwung kommt", begründet Bruckbauer seine Skepsis. Der Grund für den einen Faktor ist sogar sehr erfreulich: "2004 war für die Industrie ein sensationelles Jahr. Jetzt drücken die rückläufigen Auslandsaufträge auf die Stimmung", sagt Bruckbauer.
Exporte boomen, Binnennachfrage lahmt
Der Exportmotor lief im Vorjahr trotz des hohen Eurokurses und des steigenden Ölpreises prächtig: Die Ausfuhren stiegen um zwölf Prozent. Kein originär österreichisches Phänomen. "Selbst im krisengeschüttelten Deutschland sind die Exporte 2004 um zehn Prozent gewachsen", sagt Wifo-Ökonom Ewald Walterskirchen, "woran es fehlt, ist die Binnennachfrage in Europa."
Dieses Problem beschränkt sich allerdings nicht auf die geringe Kauflust der Konsumenten, auch die Unternehmen halten sich derzeit mit Investitionen zurück. Walterskirchen: "Trotz der hohen Gewinne der Industrie geht bei den Investitionen nichts weiter." Dabei wäre, so IV-Generalsekretär Markus Beyer, das Zeitfenster dafür "sowohl wegen der guten Mengenkonjunktur, den Impulsen aus der Steuerreform als auch der niedrigen Zinsen nahezu optimal". Für die Unternehmen hat laut Walterskirchen aber die Reduktion ihrer Verschuldung Priorität.
Im Gegensatz zum angelsächsischen Raum und den skandinavischen Ländern springen hierzulande die Konsumenten nicht als Konjunkturstütze in die Bresche. "Die Konsumlaune wird sich heuer zwar bessern, aber nicht zum Träger des Aufschwungs werden", erwartet IHS-Chef Felderer. "Obwohl die Sparquote hoch bleibt, wird der private Konsum durch die Steuerreform etwas belebt", sagt OeNB-Ökonom Peter Mooslechner.
In einigen Bereichen gibt es durchaus zarte Frühlingsgefühle: Eine überdurchschnittliche Steigerung des Auftragsbestandes melden laut KMU Forschung Austria die Sanitär- und Heizungsinstallateure, die Maler, Tischler und Dachdecker. Auch bei den Elektrotechnikern und im Baugewerbe hat sich die Situation geringfügig verbessert - trotz ausbleibender Impulse der öffentlichen Hand. "Im privaten Hochbau sehe ich eine leichte Erholung", bestätigt BA-CA-Experte Bruckbauer.
Werbekonjunktur springt an, im Handel herrscht Prinzip Hoffnung
Werbefachverbandschef Walter Ruttinger ist für seine Branche durchaus optimistisch: "Wir erwarten 2005 Zuwächse zwischen vier und sechs Prozent." Das Werbebarometer des Fachverbands gilt als guter gesamtwirtschaftlicher Indikator (siehe Kasten unten).
Während sich die Industrie wegen des guten Vorjahres 2005 mit Zuwächsen schwer tut, ist die Ausgangssituation für den Handel, viele Dienstleistungsbranchen und den Tourismus umgekehrt. Bruckbauer formuliert trocken: "Wenn dort 2005 nicht besser ausfällt als 2004, können wir unsere Prognosen gleich noch einmal herabsetzen." Vage Hoffnung: Wenn Deutschland die Talsohle durchschritten hat, sollte das diese Branchen auch hierzulande beleben.
Warum global gesehen nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa schwache Wachstumsraten aufweist, ist unter den Ökonomen ebenso umstritten wie die Frage, wo der Aufschwung herkommen soll. "Unternehmen und Staaten müssen sich weiter dem internationalen Wettbewerbsdruck anpassen", sagt Felderer. Wifo-Mann Walterskirchen hält dagegen: "Die Exportzuwächse zeigen, dass wir wettbewerbsfähig sind. Das Konjunkturproblem ist, dass die Einkommen zu Lasten der Gewinne gesunken sind, die Firmen diese aber lieber ausschütten als investieren."
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