Freitag, 1. April 2005

Wirtschaft im Aufschwung? Wifo und IHS erwarten 2 1/4 bis 2 1/2 % Wachstum 2005/06

  • Wirtschaftswachstum ist etwas stärker als im Euroraum
  • Keine Entspannung: Arbeitslosenrate bleibt hoch

Österreichs Wirtschaft wird nach Ansicht des Wifo und des IHS dieses Jahr real um fast 2 1/4 Prozent wachsen, nächstes Jahr noch etwas stärker um beinahe 2 1/2 Prozent. Damit fällt das Wachstum etwas höher aus als im Euro-Raum. Jedoch haben die Konjunkturrisken in Europa deutlich zugenommen. Ihre Inflationsprognose haben beide Institute leicht angehoben, und zum Arbeitsmarkt sind sie nur gedämpft optimistisch: Die Arbeitslosenquote wird hoch bleiben, da das Arbeitskräfteangebot außerordentlich stark zunimmt.

Das Wifo geht für 2005 und 2006 weiterhin von 2,2 bzw. 2,3 Prozent Wachstum in Österreich aus. Das Institut für Höhere Studien hat seine BIP-Prognose gegenüber Dezember für heuer von 2,3 auf 2,1 Prozent gesenkt, aber für nächstes Jahr von 2,4 auf 2,5 Prozent erhöht.

Die Arbeitslosenrate nach EU-Definition dürfte bei 4 1/2 Prozent verharren, nach heimischer Berechnung bei rund 7 Prozent, erwarten Wirtschaftsforschungsinstitut und IHS in ihrer am Freitag vorgelegten Prognoserevision. Die Geldentwertung sehen sie nach 2,1 Prozent 2004 heuer bei 2,5 bzw. 2,2 Prozent, 2006 dann bei 1,8 bzw. 1,7 Prozent.

Privatkonsum und Bauwirtschaft besser
Zu verdanken ist die leichte Beschleunigung des Wachstums der heimischen Wirtschaft von 2,0 Prozent im Vorjahr auf heuer 2,2 Prozent laut Wifo dem Privatkonsum und der Bauwirtschaft. Die Privathaushalte würden von der Steuerreform profitieren, der Privatkonsum werde heuer um 2 Prozent zulegen nach 1,5 Prozent 2004.

Hauptgrund für die Konjunkturschwäche im Euroraum seien die in Deutschland eingeschränkten Konsum- und Wohnbau-Ausgaben. Ein Risiko für die aktuelle Prognose sei mehr der hohe Ölpreis als der Euro-Kurs. Der zuletzt überschießende Ölpreis sollte aber heuer wieder zurückgehen. Kein Hemmschuh sei auch die Euro-Geldpolitik: Sie wirke seit 2001 expansiv, wenngleich nicht so stark wie in den USA.

Das US-Wachstum, das im Vorjahr noch 4 1/2 Prozent betrug, wird sich heuer und 2006 aus Sicht des Wifo abschwächen. In einigen Ländern wie USA und China nähere sich die Wirtschaft bereits ihren Kapazitätsgrenzen. Davon gehe eine Preisauftriebstendenz aus. In den USA dürfte die Inflation 2005 nur weniger unter der 3-Prozent-Marke bleiben, die US-Notenbank werde daher die Zinsen weiter anheben.

Das IHS erwartet von Ölpreis und starkem Euro eine Belastung der Wirtschaft Europas in den kommenden Monaten. Daher sei für das 1. Halbjahr 2005 noch keine signifikante Wachstumsbeschleunigung zu erwarten. Erst im 2. Halbjahr werde sich die Konjunktur wieder spürbar beleben. Der Euroraum werde heuer nur 1 3/4 Prozent nach 2 Prozent im Vorjahr wachsen, Deutschland sogar nur 1 1/4 Prozent. 2006 sollte sich der Euroraum beleben und um 2 1/4 Prozent wachsen.

Für das Budget geht das IHS für 2005 und 2006 unverändert von einem gesamtstaatlichen Defizit von 1,9 bzw. 1,7 Prozent des BIP aus. Das Wifo erwartet weiter einen Abgang von 2,0 bzw. 1,8 Prozent. (apa/red)

1.4.2005 12:09