Freitag, 1. April 2005

Kein Ende des Milchbauern-Sterbens in Sicht: Weiters Preissinken prognostiziert

  • Grund: Hemische Betriebe sind mit je 8 Kühen zu klein
  • Agrarexperten einig: Massiver Strukturwandel steht bevor

Während Österreichs Milchbauern auf eine schrittweise Anhebung des Erzeugerpreises von derzeit 26 bis 28 Cent je Kilo auf 40 Cent drängen und dafür sogar auf die Straße gingen, hält das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) eine solche Preisforderung für "unrealistisch". Wifo-Agrarexperte Franz Sinabell erwartet eher, dass der Milchpreis weiter sinken wird. Die heimischen Betriebe seien zu klein.

Agrarexperten sind sich einig, dass den heimischen Milchbauern ein massiver Strukturwandel bevor steht. Der Grund: Mit durchschnittlich neun Milchkühen pro Betrieb ist Österreichs Milchwirtschaft jene mit den kleinsten Strukturen innerhalb der EU. Ein belgischer Betrieb zählt beispielsweise im Schnitt 79 Milchkühe pro Betrieb. Die großen Betriebe in Holland, Dänemark oder Norddeutschland haben 1.000 Kühe und mehr. Um wettbewerbsfähig zu sein, scheint der Strukturwandel unausweichlich.

Das Wifo geht davon aus, dass die österreichischen Milchbauern in zehn Jahren doppelt so viel produzieren werden wie heute. Aber selbst diese Verdopplung auf etwa 90.000 kg Milch je Betrieb werde Österreich im hinteren Feld der Milchproduzenten liegen lassen, wurde Sinabell im ORF-Radio zitiert. Wenn die Milchmenge auf Grund des EU- Quotensystems gleich bleibe, bedeute eine Verdoppelung der Produktion je Betrieb eine Halbierung der Anzahl der Betriebe.

Derzeit gibt es in Österreich rund 51.000 Milchbauern. Wie die Statistik zeigt, ist der Strukturwandel schon seit Jahren im Gange. 1970 gab es hier zu Lande noch knapp 200.000 Milchbetriebe, bis 1990 halbierte sich die Anzahl bereits auf unter 100.000. In der EU herrscht ein strenges Milchquotensystem, das jedem Landwirt eine bestimmt Milchmenge zuweist, die garantiert abgenommen wird. Was nicht garantiert ist, ist der Preis.

Und dieser zeigt seit Jahren eine Tendenz nach unten. In der EU geht man davon aus, dass sich die Milchpreise in Richtung Weltmarktniveau von 22 Cent pro Kilogramm bewegen müssten.

NÖM senkt schon jetzt
Die NÖM bezahlt den zuliefernden Milchbauern per 1. April um 2 Cent weniger pro Kilo. Dies bestätigte am Freitag eine Sprecherin des niederösterreichischen Molkerei-Riesen der APA. Die Senkung sei jedoch "nichts Außergewöhnliches" und auf "saisonal bedingte Schwankungen" zurückzuführen. Bei der Interessensvertretung der Milchbauern, der IG Milch, sorgte die Maßnahme neuerlich für Aufregung.

"Milch ist im Winter am teuersten, im Frühling steigt dann die Milchmenge wieder an - somit fallen auch die Preise. Wir sind auch nicht die einzige Molkerei, die deswegen die Preise senkt und verstehen daher die Aufregung nicht", hieß es aus der NÖM-Zentrale in Baden. Mit 1. April werden die Akkontonachzahlungen an die Bauern (1,5 Cent pro Kilo) eingestellt, zusätzlich fällt der Preis um 0,5 Cent - ergibt in Summe 2 Cent weniger für die Bauern. Seitens der NÖM werde man auch weiterhin den österreichischen Durchschnittspreis bezahlen, der bisher bei 28 Cent pro Kilo Milch lag.
(apa/red)

1.4.2005 12:09