Walter Bau AG: 4.000 Beschäftigte verlieren endgültig ihren Arbeitsplatz
- Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist vollzogen
- Kerngeschäft an Strabag - Zerschlagung am Mittwoch?
Das Ende des einst drittgrößten deutschen Baukonzerns Walter Bau ist besiegelt: Wie erwartet hat das Augsburger Amtsgericht am Freitag auf den Tag genau zwei Monate nach dem Zusammenbruch des Bauriesens das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet. 4.060 der zuletzt 9.832 Konzernmitarbeiter verlieren nun ihren Arbeitsplatz. Ein Teil von ihnen kann jedoch vorerst in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln.
Die rentablen Teile des Inlandsgeschäfts wurden ausgegliedert und sollen kommende Woche endgültig an den österreichischen Bauriesen Strabag verkauft werden. Der Name des Firmengründers Ignaz Walter wird aus den geretteten Unternehmensteilen getilgt: Die Konzern-Überbleibsel firmieren künftig wieder unter Dywidag, nachdem die entsprechenden Firmenteile vor Übernahmen durch Walter Bau größtenteils zu Dyckerhoff und Widmann oder Heilit + Woerner gehört hatten.
Das weitere Filetstück des Augsburger Konzerns, der Tunnelbauspezialist DSI, gehört nicht zum Übernahmepaket der Österreicher und soll in Kürze in einem Bieter-Wettbewerb unter zahlreichen Interessenten verkauft werden.
Die Zerschlagung von Walter Bau wird voraussichtlich am kommenden Mittwoch vollzogen, wenn der Gläubigerausschuss zusammentritt. "Bei dieser Sitzung soll die Zustimmung dieses Gremiums zu den bisher getroffenen Vereinbarungen erfolgen", erklärte Abwickler Werner Schneider, den das Augsburger Landgericht am Freitag auch zum förmlichen Insolvenzverwalter bestimmte.
Verkauf soll am Mittwoch über Bühne gehen
Der Ulmer Wirtschaftsprüfer hatte seit dem Insolvenzantrag am 1. Februar als vorläufiger Verwalter ein beachtliches Tempo vorgelegt und bereits nach zwei Wochen eine Übernahmevereinbarung mit Strabag ausgehandelt. Am kommenden Mittwoch soll der Verkauf über die Bühne gehen: Strabag erhält dann von Walter Bau unter anderem den Verkehrswegebau, das internationale Geschäft und Auftragsbücher für nach zahlreichen Kündigungen noch übrig gebliebene Baustellen.
3.158 Mitarbeiter können unter das Strabag-Dach wechseln. Für 2.600 inländische Walter-Beschäftigte sieht die Zukunft dagegen düster aus: Sie erhalten lediglich das Angebot, zu 80 Prozent des bisherigen Nettolohns in eine Beschäftigungsgesellschaft zu wechseln, wo sie vorerst für andere Jobs weiterqualifiziert werden sollen. Im Ausland gehen weitere 600 Arbeitsplätze verloren.
Erhalten bleiben 2.400 Stellen bei Tochtergesellschaften wie DSI. Gut 200 Mitarbeiter sollen zudem in den kommenden Monaten die Reste des Bauriesens abwickeln. Die meisten Stellen brachen beim Augsburger Mutterkonzern Walter Bau AG weg, wo zwei von drei Mitarbeitern ihren Job verlieren.
Für Aufregung hatte in den vergangenen Tagen noch ein Übernahmeangebot von Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger gesorgt, der Strabag ausstechen wollte. Allerdings konnten sich die Mannheimer mit Insolvenzverwalter Schneider nicht auf gemeinsame Verhandlungsbedingungen einigen: "Nachdem die Bilfinger Berger AG die Absichtserklärung nicht konkretisiert hat, liegt dem Gläubigerausschuss nur ein konkretes Übernahmeangebot vor", erklärte Schneider und teilte mit, dass nur noch Strabag im Rennen sei.
(apa/red)
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