Samstag, 2. April 2005

NEWS: Das Geldparadies Österreich - Warum Deutsche unsere Banken stürmen

  • Auslands-Sparer flüchten vor Online-Zugriff der Behörde
  • Rund 50 Millionen Euro bereits bei uns gebunkert

Die deutschen Sparer kochen vor Wut. Seit 1. April können gleich mehrere Behörden des Landes sämtliche Konten online ausspähen. Nicht nur Finanzämter, sondern auch Wohnungs- und Sozialämter oder Arbeitsagenturen dürfen künftig ohne jeden begründeten Verdacht in die finanzielle Intimsphäre der Bürger eindringen. Auf Knopfdruck erfragt werden kann etwa, wer auf das Konto Zugriff hat, wann es eröffnet wurde oder wie viele Konten auf einen Namen lauten. Die viel sagende rechtliche Basis für die Aktion gläserne Konten: Das "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit".

So viel ist sicher: Die Attacke der deutschen Behörden auf die Sparer wird noch mehr deutsche Milliarden nach Österreich treiben.

Laut einer Schätzung ist bereits deutsches Kapital im Volumen von rund 50 Milliarden Euro in Österreich gebunkert, vor allem in Instituten in Westösterreich. Der wichtigste Grund für die massiven Kapitaltransfers: das im Vergleich zu Deutschland schon bislang bombensichere Bankgeheimnis in Österreich, das sogar in der Verfassung verankert ist. Ob die Zinserträge aus diesen Mitteln in Deutschland ordnungsgemäß versteuert werden oder nicht, entzieht sich der Kenntnis der österreichischen Banken.

Die verschärfte Fahndung der deutschen Behörden sollte nun noch einmal für einen ordentlichen Geldzuwachs sorgen.

Wobei es nicht einmal unbedingt darum gehen muss, sein Geld vor der Finanz zu verbergen. Was die deutschen Kunden nach Einschätzung der Banker stört, ist schon alleine die Tatsache, dass rein theoretisch jederzeit auf höchst private Daten zugegriffen werden kann. Bernhard Ramsauer, Chef der Österreich-Tochter der deutschen Privatbank Sal. Oppenheim: "Ich würde mich auch aufregen, wenn das System so gläsern wird."

Freilich sind es nicht nur wirklich Reiche, die verstärkt ihr Geld bei österreichischen Geldinstituten parken. Andreas Wecht, Vorstand der Tiroler Sparkasse: "Die Typologie der Kunden hat sich teilweise geändert, jetzt kommen auch immer mehr Kunden, die erst am Anfang des Vermögensaufbaus stehen."

Allerdings wird es in den Fluchtburgen Schweiz, Luxemburg und Österreich teurer. Denn ab Juli müssen einander die EU-Staaten wechselseitig über Auslandskonten informieren. Österreich ist wie die beiden anderen Steueroasen davon ausgenommen, muss aber eine 15-prozentige Quellensteuer auf Zinserträge von Konten ausländischer Bürger einheben und den Großteil davon an die Wohnsitz-Staaten abführen.

Die deutschen Sparer werden aber trotzdem kommen. Denn wer die Zinsen in Deutschland ordnungsgemäß versteuert, kann die bereits gezahlten 15 Prozent beim Finanzamt anrechnen. Und wer nicht, hat dank des Bankgeheimnisses nichts zu fürchten.

Die ganze Geschichte lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

2.4.2005 08:08