Verfahren gegen Chodorkowski: Zehn Jahre Haft für Ex-Yukos-Chef gefordert
- Straferschwerend: "Bildung von krimineller Vereinigung"
- Rechtmäßigkeit des Prozesses wird stark angezweifelt
In dem international kritisierten Strafverfahren gegen den russischen Oligarchen Michail Chodorkowski hat die Moskauer Staatsanwaltschaft zehn Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Der seit 17 Monaten in Untersuchungshaft sitzende Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos habe den Staat betrogen und Steuern in großem Ausmaß hinterzogen, sagte Staatsanwalt Dmitri Schochin am Dienstag.
Sowohl der Europarat als auch die US-Regierung hatten in der Vergangenheit die Rechtmäßigkeit des Verfahrens bezweifelt. Chodorkowski und sein Geschäftspartner Platon Lebedew sollen sich auch der Unterschlagung und der Fälschung von Dokumenten schuldig gemacht haben. Straferschwerend sei "die Bildung einer kriminellen Vereinigung".
Der Staatsanwalt forderte zudem, das Eigentum der beiden bisher als Dollar-Milliardäre geführten Unternehmer einzuziehen. Der Yukos- Konzern wurde inzwischen im Zuge groß angelegter Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung weitgehend zerschlagen. Chodorkowski soll dem "Forbes"-Magazin zufolge einst über ein Vermögen von 15 Milliarden Dollar verfügt haben und galt als reichster Mann Russlands.
Beide Angeklagte bezeichnen sich als unschuldig. Sie nahmen die Anklage im überfüllten Gerichtssaal ohne äußere Regung zur Kenntnis. "Wir haben damit gerechnet, dass der Staatsanwalt nicht weniger als zehn Jahre fordert", sagte der Verteidiger Genrich Padwa.
Chodorkowskis Anwälte sagten, sie bräuchten fünf Tage, um ihre Schlussplädoyers vorzubereiten. Diese würden kommende Woche stattfinden, wenn das Gericht dem zeitlichen Aufschub zustimme. Sollte dies so sein, rechnen die Anwälte mit einem Urteil in der zweiten Mai-Hälfte. Analysten zufolge gibt es kaum eine Chance, dass Chodorkowski frei gesprochen wird. (apa)
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