Sonntag, 3. April 2005

Auch Österreich trauert um den Papst: Kirchliche Gebäude schwarz beflaggt!

  • Präsident Fischer reist zum Begräbnis nach Rom

Mit den Katholiken auf der ganzen Welt trauert auch Österreich um den verstorbenen Papst Johannes Paul II. Als Zeichen der Anteilnahme wurden auf dem Parlament, der Hofburg und dem Bundeskanzleramt die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Am Tag des Begräbnisses werden die öffentlichen Gebäude schwarz beflaggt. Auf den Kirchen und kirchlichen Gebäuden wurden bereits am Sonntag schwarze Fahnen aufgezogen. Zum Gedenken an den Papst haben am Sonntag in ganz Österreich die Kirchenglocken geläutet.

Die Sonntagsmessen in allen Pfarrgemeinden standen ganz im Zeichen des Todes des Papstes. Viele Menschen haben sich auch in aufgelegte Kondolenzbücher eingetragen. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes am Samstagabend waren viele Gläubige zum Gebet in die Kirchen geströmt. Auch Kardinal Christoph Schönborn hielt im Stephansdom ein Rosenkranz-Gebet.

Schönborn wird auch zum Begräbnis Johannes Pauls II. nach Rom reisen. Als offizieller Vertreter Österreichs wird Bundespräsident Heinz Fischer an den Feierlichkeiten in Rom teilnehmen. Wer von Seiten der Bundesregierung dabei sein wird, steht vorerst noch nicht fest, das soll erst Anfang der Woche entschieden werden.

In den Würdigungen des verstobenen Papstes wurde vor allem seine außergewöhnliche Persönlichkeit und sein Wirken für den Frieden hervorgehoben. Schönborn bezeichnete Johannes Paul II. als einen "mutigen Querdenker", der "gegen den Zeitgeist" gestanden sei. Eine Einteilung in fortschrittlich oder konservativ werde diesem Pontifikat nicht gerecht. Fischer nannte ihn eine "allseits anerkannte moralische Instanz für Frieden, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Kampf gegen Armut". Mit ihm habe die Kirche den Durchbruch in Richtung Weltkirche geschafft.

Sein Beitrag zur Überwindung des Kommunismus stand im Mittelpunkt der politischen Reaktionen. So meinte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), der Papst sei für den Kommunismus eine enorme Bedrohung gewesen. Österreich habe er als "Brücke und Tor" gesehen, um die Wiedervereinigung möglich zu machen. Vizekanzler Hubert Gorbach (F) sagte, der Papst habe "intensiv völkerverbindend gewirkt und einen wesentlichen Beitrag zum Brückenschlag zwischen Ost- und Westeuropa geleistet".

SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer sagte, das persönliche Engagement des Papstes habe über Jahre hinweg all jenen Bürgerrechtsbewegungen Hoffnung gegeben, die die kommunistischen Diktaturen Osteuropas überwinden konnten. Auch der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen verwies auf die Rolle des Papstes rund um den Fall des Eisernen Vorhangs und meinte, Einigung und das friedliche Zusammenleben der Menschen seien ihm ein großes Anliegen gewesen.

Lobende Worte fanden auch die Vertreter der anderen Religionsgemeinschaften in Österreich. Der Evangelische Bischof Herwig Sturm bezeichnete den Papst als "großen Brückenbauer". Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, hob hervor, dass der Papst den Ausgleich zum Judentum gesucht und "ein neues Kapitel im Dialog" ermöglicht habe. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg bezeichnete Johannes Paul II. als "Mann des Friedens und der Versöhnung" zwischen dem Christentum und dem Judentum. Auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, würdigte die Bemühungen des Papstes um den Frieden und die interreligiöse Verständigung. (apa/red)

3.4.2005 15:41