Israel reagiert mit großer Trauer auf Tod des Papstes: Rolle als Versöhner gewürdigt
- Shalom: "Neue Ära in den Beziehungen eingeläutet"
- Peres: "Umarmte die gesamte menschliche Familie"
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Israel hat am Sonntag mit großer Trauer auf den Tod von Papst Johannes Paul II. reagiert. Außenminister Silvan Shalom sagte im israelischen Rundfunk, der Papst habe eine neue Ära der Versöhnung in den Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Juden eingeläutet. Shalom, der im Dezember 2003 im Vatikan empfangen worden war, sprach zugleich die Hoffnung aus, dass auch der nächste Papst die positiven Beziehungen zu Israel fortsetzen werde. "Israel, das jüdische Volk und die ganze Welt haben einen großen Vorkämpfer der Versöhnung und der Brüderlichkeit zwischen den Religionen verloren", erklärte der Minister.
Der Vorsitzende der israelischen Arbeiterpartei und stellvertretende Ministerpräsident Shimon Peres nannte den verstorbenen Papst einen "echten geistlichen Führer, der nicht nur seine traditionellen Gläubigen, sondern die gesamte menschliche Familie umarmte". Der Wojtyla-Papst habe "das Beste innerhalb der Menschheit" verkörpert und "alle unsere Herzen mit seinen Taten und seinem Mut vereinigt", sagte der Friedensnobelpreisträger Peres.
Der israelische Staatspräsident Moshe Katzav sagte, er kondoliere "im Namen des jüdischen Volkes" Millionen von Trauernden in der christlichen Welt. Man werde Johannes Paul II. als den religiösen Führer in Erinnerung behalten, der "mutig aufgestanden ist und ein historisches Unrecht beendet hat, indem er Vorurteile und Anschuldigungen gegen die Juden offiziell zurückwies". Zum Abschluss seiner historischen Reise ins Heilige Land im März 2000 hatte der Papst um Vergebung für die von der Kirche zu verantwortenden Judenverfolgungen im Lauf der Geschichte gebeten.
Zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel bestehen seit 1994 vollwertige diplomatische Beziehungen. Wegen des im Februar 2000 während eines Besuches von Yasser Arafat bei Johannes Paul II. unterzeichneten vatikanisch-palästinensischen Grundsatzabkommens war es zu einem schweren Konflikt zwischen Israel und dem Vatikan gekommen. In dem Abkommen, das den Charakter eines Konkordats mit einem künftigen souveränen Staat Palästina trägt, wird für Jerusalem ein international garantierter Status verlangt. Der Papst hatte auch den Bau der israelischen Sperranlage im Westjordanland scharf kritisiert; man brauche für einen Frieden "Brücken und keine Mauern oder Zäune", hatte Johannes Paul II. erklärt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon war deshalb während eines Besuchs in Rom 2003 nicht mit dem Papst zusammengetroffen.
(apa/red)
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