So funktioniert das "Konklave"! Die geheime Wahl des neuen Papstes
- Gewählter müsste nicht einmal Priester sein
·Das Konklave: Nicht
immer reibungslos!
Überblick: Die längsten & kürzesten Papstwahlen
·Nach dem Tod von Johannes Paul II.
Klicken: Aussichtsreichste Nachfolge-Kandidaten!
·"Zeit nicht reif für schwarzen Papst"
Nigerianer Arinze über seinen Chancen bei Wahl
Das Prozedere, das zur Wahl eines neuen Papstes führt, ist bis ins Kleinste geregelt. Anzahl, Höchstalter und Kleidung der Kardinäle sind ebenso festgelegt wie Eidformeln, Gebete und das Aussehen der Wahlzettel.
Viele Päpste haben die Vorschriften zur Wahl ihres Nachfolgers modifiziert - so auch Johannes Paul II. im Jahr 1996. Wie die Wahl seines Nachfolgers in der Sixtinischen Kapelle ablaufen wird, ist absehbar, nicht jedoch das Ergebnis. Wer neuer Bischof von Rom wird, erfährt die Welt beim Habemus Papam. Wer im Konklave für oder gegen den neue Papst stimmte, soll sie nie erfahren. Die Kardinäle müssen absolute Verschwiegenheit schwören, Techniker sollen Lauschangriffe abwehren.
Seit Alexander III. (1159-1181) wählen die Kardinäle den Papst mit Zweidrittel-Mehrheit. Die war nicht immer leicht zu finden: Im 13. Jahrhundert soll den Bürgern der italienischen Stadt Viterbo nach einem 18 Monate dauernden Ringen der Geduldsfaden gerissen sein: Sie sperrten die Kardinäle im Palast ein, setzten sie bei Wasser und Brot auf karge Kost. Schließlich ließen sie das Dach abdecken, damit Regen, Kälte und Hitze die Wahl beschleunigten. Dennoch dauerte das Konklave drei Jahre, bis Gregor X. sein Amt antrat. Beim Konzil von Lyon im Jahr 1274 wurde offiziell das Konklave eingeführt (vom lateinischen "cum clave", mit dem Schlüssel). Heute bieten die rund 130 Gemächer des neuen vatikanischen Gästehauses "Domus Sanctae Marthae" den Kardinälen schlichten Komfort.
Das Konklave, die Wahl eines Nachfolgers für Papst Johannes Paul II. beginnt am Montag, dem 18. April, mit einer Morgenmesse der Kardinäle. Danach begeben sich die voraussichtlich 116 Geistlichen aus aller Welt in die Sixtinische Kapelle des Vatikans. Dort soll nach dem Kirchenrecht am ersten Tag zunächst ein Wahlgang stattfinden. Dieser gibt erste Aufschlüsse über die Mehrheitsverhältnisse, aber wahrscheinlich noch kein Ergebnis.
Wahlberechtigt sind die 117 unter 80 Jahre alten Kardinäle. Da einige Würdenträger jedoch zu krank sind, um nach Rom zu fliegen, werden wohl nur 115 Kardinäle einen Papst wählen können - unter ihnen auch der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn. Sie versammeln sich abgeschottet von allen Außenkontakten im Vatikan und verpflichten sich zur Geheimhaltung.
In der Sixtinischen Kapelle finden jeden Vormittag und jeden Nachmittag zwei Wahlgänge statt, bis ein Kandidat die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhält. Wenn dies auch nach 30 Wahlgängen - in etwa zwölf Tagen - nicht möglich ist, reicht die absolute Mehrheit.
Der Gewählte muss nach Kirchenrecht weder Bischof noch Kardinal sein, nicht einmal Priester, sondern nur ein männlicher, gläubiger und unverheirateter Katholik bei klarem Verstand. Tatsächlich wählen die Kardinäle aber seit Jahrhunderten einen Vertreter aus ihrem Kreis.
Die Kardinäle schwören ebenso wie Beichtväter, Ärzte, der Tischdienst und die Putzkolonne Verschwiegenheit. Ihnen ist es verboten, Briefe zu schreiben oder zu empfangen, zu telefonieren oder auf andere Weise Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Nach dem Einzug in die Sixtina legen die Kardinäle den Eid ab. Der Zeremonienmeisters befiehlt: "Extra omnes" - alle außer den Kardinälen müssen die Sixtina verlassen. Jeder Kardinal erhält wenigstens zwei oder drei Stimmzettel. Auf diesen stehen bereits die Worte "Eligo in Summum Pontificem" (Zum Papst wähle ich ...).
Wenn die Kardinäle nacheinander an die Urne treten, sprechen sie die Formel: "Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte." Sind alle Wahlzettel in der Urne, beginnen Wahlhelfer mit der Auszählung. Hat nach einer erneuten Überprüfung alles seine Ordnung, werden die Stimmzettel verbrannt. Solange schwarzer Rauch aus der Sixtina aufsteigt, hat kein Kandidat die erforderliche Mehrheit. Ab dem zweiten Tag des Konklaves sind zwei Wahlgänge vormittags, zwei weitere Nachmittags möglich. Gibt es nach drei Tagen kein Ergebnis, ist ein Tag Pause für Gebete, "zwanglose Gespräche unter den Wählern" und eine Ansprache vorgesehen. Sollten sieben weitere Wahlgänge ebenfalls ohne Ergebnis enden, folgen ein Tag Pause und wiederum sieben Abstimmungen, dann wieder ein Tag Pause und wieder sieben Wahlgänge. Ist danach immer noch kein neuer Papst gewählt, so können die Kardinäle entweder in einer Stichwahl mit einfacher Mehrheit zwischen zwei Kandidaten wählen oder für die nächste Runde eine einfache Mehrheit für ausreichend erachten.
Ist die Entscheidung gefallen, muss der Kandidat die Wahl noch annehmen. Dann wird er gefragt, welchen Namen er sich gibt. Ist der Gewählte noch kein Bischof, wird er geweiht. Die Kardinäle huldigen ihm und versprechen Gehorsam. Aus dem Schornstein steigt nun weißer Rauch auf. Die Welt blickt auf die Loggia des Petersdoms, wo der erste der Kardinaldiakone den neuen Papst mit den Worten "Habemus Papam" präsentiert. Das neue Pontifikat beginnt dann mit dem Segen, den der todkranke Papst Johannes Paul II. zum Osterfest nur noch mit einer Geste erteilen konnten: Mit dem "Urbi et Orbi" segnet der neue Pontifex die Stadt und den Erdkreis. (apa)
Syrien13:12
UNO-Rüge nach MassakerSicherheitsrat richtet nach Massaker in Houla deutliche Worte an Regierung
Suu Kyi11:03
Erste AuslandsreiseNach 24 Jahren zum ersten Mal wieder ins Ausland: Suu Kyi reist nach Bangkok
Dalai Lama in Österreich14:12
Keine Angst vor ChinaAußenministerium reagiert auf Chinas Empörung betont gelassen
