Wahlen in Italien: Prodis Opposition ver- setzt Berlusconi-Block schwere Niederlage
- Unerwartet großer Sieg der Oppositionsparteien
- Regierungsblock verliert Führung in sechs Regionen
Nach der verheerenden Niederlage der Regierungskoalition bei den italienischen Regionalwahlen am Sonntag und Montag hofft nun die oppositionelle Mitte-Links-Allianz auf ein baldiges Ende der Ära Berlusconi. "Mit dieser Wahl bitten uns die Italiener, uns für die Regierung bereit zu halten", sagte Oppositionsführer Romano Prodi in Rom.
Beim Urnengang in 13 der 20 italienischen Regionen, zu denen 42 Millionen Italiener aufgerufen waren, musste die seit 2001 amtierende Mitte-Rechts-Regierung unerwartet hohe Verluste hinnehmen. Das Regierungsbündnis verlor sechs der acht bisher von ihm regierten Regionen. Nur in zwei Regionen konnte sich ein Kandidat des Berlusconi-Blocks behaupten.
"Der Wahlerfolg hat unsere rosigsten Erwartungen übertroffen. Wir sind die neue Mehrheit im Land. Dies ist unbestreitbar", sagte der Linksdemokraten-Chef Piero Fassino, der scherzend einen Vergleich zum Fußball-Rekordmeister Juventus Turin zog: "Wir sind ja fast schon besser als Juve: Seid vier Jahren gewinnen wir alles!"
Das Bündnis von Oppositionschef Romano Prodi setzte sich nicht nur in traditionellen Hochburgen der Linken wie in der Toskana, Emilia Romagna und Umbrien durch, sondern auch in Piemont und Ligurien, die bisher von Berlusconis Bündnis "Haus der Freiheiten" regiert wurden. Die Mitte-Rechts-Koalition verlor auch in den Abruzzen und in Kalabrien. In Apulien unterlag Raffaele Fitto von der Berlusconi-Partei Forza Italia dem kommunistischen Kandidaten Niki Vendola, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt.
Regierungsbündnis siegt in Venetien und Lombardei
Nur in Venetien und der Lombardei, den beiden industriereichsten Regionen des Landes, konnten sich die Kandidaten des Regierungsbündnisses behaupten. In der Lombardei siegte der scheidende Präsident Roberto Formigoni. Er regiert seit 1995 die Region. "Ich bin sehr zufrieden. Seit zehn Jahren halten wir in der Lombardei unsere Wahlversprechen. Daher haben wir wieder einmal gesiegt", kommentierte Formigoni. Auch in Venetien feierte der scheidende Präsident Giancarlo Galan seinen letzten Wahlsieg.
Besonders schwierig zu akzeptieren ist für Berlusconi die Wahlniederlage in der mittelitalienischen Region Latium mit der Hauptstadt Rom. Der Regierungskandidat Francesco Storace, für den sich Berlusconi persönlich eingesetzt hatte, unterlag seinem Gegner der Linken, Piero Marrazzo. Die Duce-Enkelin, Alessandra Mussolini, die trotz des Verdachts der Unterschriftenfälschung am Wahlgang teilnehmen durfte, musste sich mit zwei Prozent der Stimmen begnügen.
"Das ist mehr als eine Niederlage - es ist ein Kollaps", schrieb die Zeitung "La Repubblica". Berlusconis Forza Italia hatte schon bei der Europawahl im Juni vergangenen Jahres etwa vier Prozentpunkte verloren. Unter dem Eindruck einer schwierigen Wirtschaftslage und der massiven Kritik an der Irak-Politik der Regierung ist die Unterstützung in der Wählerschaft jetzt offenbar weiter gesunken.
Rechtspopulkistische Lega Nord ohne Einbußen
Außenminister Gianfranco Fini, Chef der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN, zweitstärkste Gruppierung im Berlusconi-Block) zeigte sich besorgt. "Jetzt ist die Regierung schwächer. Dies bedeutet nicht, dass sie zurücktreten muss, die Regierung muss jedoch die Ursachen dieser schweren Niederlage überprüfen", so Fini. Vizepremier Marco Follini forderte sofort den Beginn koalitionsinterner Beratungen zur Überprüfung der Ursachen des Wahldebakels.
Die einzige Regierungspartei, die keine Stimmeneinbußen hinnehmen musste, ist die rechtspopulkistische Lega Nord. "Wir sind die einzige wirkliche Partei des Volkes in Norditalien", kommentierte Lega-Chef Umberto Bossi, der nach einem schweren Herzinfarkt in Italiens politische Arena zurückgekehrt ist. (apa/red)
