Montag, 4. April 2005

Parlamentspräsident im Irak gewählt:
Al Hassani unter Sunniten aber umstritten

  • Die Staatsspitze soll noch bis Mittwoch feststehen

Gut zwei Monate nach der Wahl im Irak hat das neue Parlament am Sonntag seinen Präsidenten gewählt. Nach wochenlangem Parteienstreit votierten die Abgeordneten in Bagdad in geheimer Abstimmung für Industrieminister Hashim al-Hassani, einen Sunniten. Die Spitzen der neuen irakischen Regierung sollen bis Mittwoch feststehen. Damit würde ein wochenlanger Streit über die Besetzung enden. Schiitischen und kurdischen Verhandlungsführer teilten mit, neuer Staatspräsident werde der Kurde Dschalal Talabani.

Der neue Präsident Al Hassani ist unter den irakischen Sunniten umstritten, weil er im vergangenen Jahr aus der Islamischen Partei ausgeschlossen worden war. Die Partei hatte damals beschlossen, sich wegen einer amerikanischen Offensive auf die Aufständischen-Hochburg Falluja aus der Übergangsregierung von Ministerpräsident Iyad Allawi zurückzuziehen. Al Hassani, der bei der Abstimmung am Sonntag 215 Stimmen erhielt, hatte sich geweigert, seinen Posten als Industrieminister aufzugeben. Nach seiner Wahl am Sonntag sagte er: "Das erste Hindernis ist nun überwunden".

Stellvertretender Parlamentspräsident wurde der schiitische Wissenschafter Hussein Shahristani. Arif Tajfur von der Kurdischen Demokratischen Partei wurde zweiter Stellvertreter. Einige Sunniten, darunter auch Übergangspräsident Ghazi al-Yawar, hatten den Posten des Parlamentspräsidenten zuvor abgelehnt. Nicht alle Abgeordneten erschienen zu der Abstimmung am Sonntag.

Selbstmord-Attentäter in Bagdad
Ein Attentäter sprengte sich am Samstag vor einer Polizeiwache in der 30 Kilometer östlich von Bagdad gelegenen Stadt Chani Bani Saad mit seinem Auto in die Luft und riss vier Polizisten und einen Zivilisten mit in den Tod. In Bagdads Schiitenviertel Sadr-City erschossen Unbekannte einen Vertreter des Bildungsministeriums.

In Samarra sprengten Aufständische die Spitze des 52 Meter hohen Malwija-Turmes, des wichtigsten islamischen Monuments der Stadt, in die Luft. US-Soldaten hatten von dem Turm aus die Gegend überwacht

(apa)

4.4.2005 12:51