Samstag, 2. April 2005

Nach wochenlangem Streit mit Opernhaus: Stardirigent Muti verlässt Mailänder Scala!

  • Belegschaft war Ende Februar in den Streik getreten
  • Muti war seit '86 musikalischer Leiter des Opernhauses

Nach wochenlangen Streitigkeiten und Spannungen an der Mailänder Scala hat Stardirigent Riccardo Muti am Samstag seinen Rücktritt eingereicht. Er folgte damit den mehrmaligen Aufforderungen seiner Musiker, das weltberühmte Opernhaus zu verlassen. Er sehe sich zu dieser Entscheidung gezwungen, weil "die so offenkundig mir gegenüber gezeigte Feindseligkeit seitens von Personen, mit denen ich mehr als 20 Jahre zusammengearbeitet habe, eine Fortsetzung meiner Tätigkeit unmöglich macht", schrieb Muti in einer Mitteilung an den Aufsichtsrat.

Die Musiker waren bereits im Februar in den Streik getreten, um damit gegen die Ernennung von Mauro Meli zum neuen Intendanten der Scala zu protestieren. Meli gilt als Schützling Mutis, ist bei den Musikern aber äußerst unbeliebt. Er war im Februar zum Nachfolger von Carlo Fontana ernannt worden, der wegen zu häufiger Reibereien mit Muti über künstlerische und finanzielle Fragen das Haus verlassen musste. Seither forderte die Belegschaft den Rücktritt sowohl Mutis als auch Melis. Auch alle Vermittlungsversuche eines Mediators schlugen fehl.

Mehrere Konzerte mussten wegen des Ausstands der Künstler abgesagt werden. Kommentatoren hatten seit Wochen spekuliert, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis Muti den Dirigentenstab in Mailand abgibt. "Gemeinsam Musik zu machen ist nicht nur eine Gruppenarbeit. Es erfordert gegenseitige Achtung, Leidenschaft und Verständnis", erläuterte der Dirigent, der 1941 in Neapel geboren wurde, am Samstag seinen Schritt.

Auch Mutis Ehefrau Cristina Mazzavillani hatte zuletzt in einem Interview erklärt, der Maestro sei mittlerweile so verbittert, dass er ans Aufhören denke. Es sei nicht auszuschließen, "dass er ins Ausland oder in eine andere italienische Stadt geht. Aber ich weiß nicht einmal, ob er überhaupt noch Lust zum Arbeiten hat", sagte Mazzavillani.

Kommentatoren und Experten spekulierten unterdessen schon länger über eventuelle Nachfolger von Riccardo Muti. Während einige meinen, ein Weggang des Maestro wäre "eine musikalische Katastrophe", heißt es bei anderen: "Mailand hat seinerzeit den Weggang von Claudio Abbado verkraftet. Die Stadt wird auch ohne Muti überleben." Vor allem der Name Abbados, den Muti 1986 als musikalischer Leiter des Opernhauses ablöste, fiel in letzter Zeit immer häufiger.

(apa)

2.4.2005 15:41