200 Neonazis marschieren in München: 6.000 Menschen bei Gegendemonstration
- Großaufgebot der Polizei - Ude hat "die Nase voll"
Mehr als 6.000 Menschen haben am Samstag in München weitgehend friedlich gegen einen Aufmarsch von Neonazis demonstriert. Mit Trillerpfeifen, Sprechchören und Transparenten wie "Nazis raus" protestierten Tausende lautstark gegen den Zug von rund 250 Rechtsextremisten in die Innenstadt, der von einem Großaufgebot der Polizei abgeschirmt wurde.
Einige aufgebrachte Gegendemonstranten warfen mit Flaschen und Steinen, es kam jedoch nicht zu der von den Sicherheitskräften befürchteten Blockade des Neonazi-Umzugs. Zuvor hatten sich auf dem Marienplatz rund 6.000 Menschen zu einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit versammelt.
Bis zum Samstagnachmittag gab es nach Angaben der Polizei insgesamt 53 Festnahmen, darunter viele wegen Flaschenwürfen. Auch ein bundesweit bekannter Neonazi, der zu den Organisatoren des rechten Aufmarschs gehörte, wurde festgenommen. Er hatte Pfefferspray bei sich. Polizeieinsatzleiter Jens Viering zeigte sich am Nachmittag "hochzufrieden" mit dem Verlauf des Einsatzes bis zu diesem Zeitpunkt. "Die Bürger haben unseren Aufruf befolgt. Wir mussten nicht wegen Blockaden gegen die Münchner Bevölkerung vorgehen", sagte Pressesprecher Peter Reichl. Insgesamt waren rund 1.300 Polizisten im Einsatz.
Bei der Gegenkundgebung auf dem Marienplatz hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nochmals dazu aufgerufen, den Protest gegen rechtsextremistische Umtriebe unbedingt friedlich und gewaltfrei zu äußern. "Diese Stadt hat quer durch alle gesellschaftlichen Bereiche von Neonazis die Nase voll", sagte er. Der Münchner Domvikar Engelbert Dirnberger erinnerte an das Leiden des Papstes. Sein Lebensvermächtnis verpflichte dazu, sich dem Extremismus zu widersetzen, sagte der Geistliche.
Zahlreiche Demonstranten zogen vom Marienplatz zum Aufmarschort der Neonazis auf der Münchner Theresienwiese, der von der Polizei hermetisch abgeriegelt war. Die Rechtsextremisten trugen provokativ die weiße Rose des NS-Widerstands, die auch auf der Gegendemonstration verteilt worden war. Zu dem Umzug aufgerufen hatten so genannte Freie Kameradschaften aus dem ganzen Bundesgebiet, die vom Verfassungsschutz als gewaltbereit eingestuft werden.
Die Gegendemonstranten säumten den Weg der Neonazis hinter den Absperrungen in einer dichten Menschenkette. Die meisten zeigten den Rechten eine rote Karte oder hielten Transparente hoch wie "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus". Immer wieder skandierten sie laut "Nazis haut ab" oder "Wir wollen keine Nazischweine". Gelegentlich flogen Eier, Tomaten - aber auch Blumen. Ein Demonstrant warb auf seinem Transparent für eine Multi-Kulti-Gesellschaft: "Pizza, Giros und Döner macht Deutschland noch viel schöner".
(apa)
