Papst-Attentäter von '81 lässt aufhorchen:
"Hatte bei Attentat Komplizen im Vatikan"
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Seit Attentat 1981 ging es gesundheitlich bergab
Knapp drei Tage nach dem Auftritt an Ostersonntag hat der Papst am Mittwoch einen neuen Versuch gemacht, einen Gruß an die Pilger zu richten, konnte jedoch nur ein tiefes Röcheln hervorbringen. Vier Minuten lang zeigte sich der 84-jährige Kirchenführer am Fenster seiner Wohnung im Vatikan und grüßte die auf dem Petersplatz versammelten Pilger, die besorgt zu ihm schauten. Unterdessen sorgt der Papst-Attentäter Agca erneut für Aufsehen. Er behauptet, er hätte beim Attentat Komplizen im Vatikan gehabt.
"Der Vatikan hat Verantwortung beim Anschlag auf den Papst. Ohne Hilfe einiger Priester und Kardinäle hätte ich ihn niemals durchführen können. Der Teufel befindet sich auch hinter diesen Mauern", betonte Agca in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Agca, Ex-Mitglied der rechtsextremistischen türkischen Untergrundorganisation "Graue Wölfe", befindet sich in einer Strafanstalt in Kartal Maltepe, dem asiatischen Teil von Istanbul. Er schreibt an einem Buch, das in den kommenden Monaten erscheinen soll.
Anschlag als Zeichen Gottes
"Der Anschlag wurde vom Heiligen Gott beschlossen. Im Gespräch mit Johannes Paul II., das ich 1983 in der (römischen) Strafanstalt Rebibbia hatte, hat mit der Papst enthüllt, dass der Anschlag ein Zeichen Gottes war. Ich liebe und respektiere den polnischen Papst. Doch die Vorwürfe gegen mich im Vatikan sind Hirngespinste. Kürzlich hat mich (der italienische) Kardinal Ersilio Tonini als 'Gespenst' bezeichnet. Dies ist verrückt. Ohne Hilfe von Priestern und Kardinälen hätte ich den Anschlag nicht durchführen können. Doch Schluss damit jetzt, ich werde alles in meinem Buch schreiben", betonte Agca.
Der Türke versicherte, dass der Anschlag seine eigene Initiative gewesen sei. "Am 13. Mai 1981 wusste niemand auf der Welt von meinen Plänen. Ich erinnere mich an die letzte Minute: Ich hatte darauf verzichtet, ich wollte zum römischen Bahnhof Termini gehen, um mit der Bahn nach Zürich zurückzukehren und in Frieden zu leben. Doch in diesem Augenblick geschah ein Wunder. Ich bin plötzlich zurückgekehrt und habe auf den Papst geschossen", betonte Agca.
"Mein Leben liegt in den Händen Gottes"
Seit 24 Jahren lebt Agca im Gefängnis. "Ich weiß nicht, wann man mich freilassen wird. Meine Lage ist nicht sehr klar. Ich glaube, dass mein Leben und mein biologischer Tod, meine Gefangenschaft und meine Freiheit total in den Händen Gottes sind. Ich warte", meinte der Türke. Der Papst hatte in seinem jüngsten Buch "Erinnerung und Identität" angedeutet, dass er Agca nicht für einen Einzeltäter hielt. Agca sei ein Profi-Killer gewesen, der nicht aus eigenem Antrieb, sondern im Auftrag eines Dritten gehandelt habe, schrieb der Papst. Über die Frage, wer dieser Dritte sein könnte, schwieg Johannes Paul II. aber.
KGB gab Attentat in Auftrag
Akten der früheren DDR-Staatssicherheit (Stasi) bestätigen inzwischen laut einem Bericht der Mailänder Zeitung "Corriere della Sera", dass der ehemalige sowjetische Geheimdienst KGB das Attentat auf den Papst beim bulgarischen Geheimdienst in Auftrag gab. (apa/red)
