Tschechische Koalition zerbrochen: Volkspartei tritt wegen Gross-Affäre aus
- Ministerpräsident nun von Kommunisten abhängig
- Immobilienskandal spaltete die Regierung
·Tschechien: Gross bleibt weiter im Amt
Erfolgreiche Abstimmung nach Immobilien-Skandal
·Tschechen mögen Österreicher nicht
Sogar Deutsche sind in Prag beliebter als wir!
Die tschechische christdemokratische Volkspartei (KDU-CSL) hat den Austritt aus der Koalitionsregierung des sozialdemokratischen (CSSD) Ministerpräsidenten Stanislav Gross beschlossen. Die Entscheidung wurde auf einer außerordentlichen Sitzung des KDU-CSL-Zentralkongresses in Prag gefällt. Das Kabinett Gross verliert damit die Mehrheit im Parlament. Als Grund für ihren Ausstieg geben die Christdemokraten die Weigerung von Gross an, wegen seiner Wohnungsaffäre zurückzutreten.
Die Entscheidung der Christdemokraten kommt zwei Tage vor einem Misstrauensvotum im Parlament. Die Regierung verfügt nun nur noch über 80 Mandate in der 200 Sitze zählenden Volksvertretung. Parteichef Miroslav Kalousek kündigte den Rückzug seiner drei Minister aus der Regierung an und kündigte an, dass sein Partei am Freitag gegen Premier Stanislav Gross stimmen wird. Damit liegt es bei den Kommunisten (KSCM), ob die Regierung am Freitag die Abstimmung übersteht. Sie teilten mit, am Donnerstag über ihre Stimmabgabe entscheiden zu wollen.
Die Christdemokraten fordern seit Wochen den Rücktritt von Ministerpräsident Stanislav Gross, der wegen einer Immobilienaffäre ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. Dabei geht es um den Kauf einer Wohnung in Prag. Laut Presseberichten hatte der 35-jährige Gross dafür im Jahr 1999 rund 140.000 Euro aus unklaren Quellen gezahlt. Gross hat die Herkunft des Geldes bisher nicht erklären können und sieht sich deswegen wachsendem öffentlichen Druck ausgesetzt. Das durchschnittliche Monatseinkommen in Tschechien liegt bei 570 Euro. (apa/red)
