Mittwoch, 30. März 2005

Annan erleichtert: Untersuchungsbericht entlastet ihn von Korruptionsvorwürfen

  • Lehnt Rücktritt als UNO-Generalsekretär nun ab
  • Wegen "Öl-für-Lebensmittel"-Affäre enttäuscht von Sohn

UNO-Generalsekretär Kofi Annan sieht sich durch den Untersuchungsbericht zum Öl-für-Lebensmittel-Programm im Irak entlastet. Er sei sehr erleichtert, erklärte Annan nach der Vorstellung des Berichts in New York. Die Kommission unter Leitung des ehemaligen US-Notenbankchefs Paul Volcker hatte den UNO-Generalsekretär vom Verdacht der Korruption oder persönlichen Bereicherung entlastet, jedoch zugleich sein Management des umstrittenen Irak-Programms gerügt. Annan habe schwerwiegende Defizite in der UNO-Bürokratie übersehen, hieß es.

Er denke nicht an Rücktritt, erklärte Annan am Dienstag in New York. "Nachdem so viele erschreckende und unwahre Vorwürfe gegen mich erhoben wurden, ist diese Entlastung durch die unabhängige Untersuchung offenkundig eine große Erleichterung", sagte der UNO-Generalsekretär. Enttäuscht äußerte er sich über seinen Sohn Kojo. Er habe stets höchste Ansprüche an dessen Integrität gestellt. "Über den Beweis des Gegenteils bin ich zutiefst traurig." Dies gelte besonders für die Tatsache, dass sein Sohn nicht vollständig mit den Ermittlern zusammengearbeitet habe.

Das Ende 1996 verabschiedete und im November 2003 ausgelaufene Öl-für-Lebensmittel-Programm erlaubte es dem Irak, begrenzte Mengen Öl zu verkaufen und die Einnahmen für die Versorgung der Bevölkerung oder für Entschädigungszahlungen an Kuwait nach dem Golfkrieg 1991 zu verwenden. Kojo Annan war bis Ende 1998 für die Schweizer Firma Cotecna tätig, die von den Vereinten Nationen einen Großauftrag im Rahmen des Irak-Hilfsprogrammes erhielt. In dem 144-seitigen Untersuchungsbericht wird Kojo Annan gerügt, seinen Vater nicht rechtzeitig über seine Beziehungen zu Cotecna informiert zu haben.

Einer der Ermittler, Mark Pieth, wollte die Schlussfolgerungen der Kommission keineswegs als Freispruch werten. "Wir sollten das nicht einfach so abtun", sagte Pieth in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Ein gewisses Bedauern seitens Annans wäre angebracht gewesen. Pieth warf Cotecna nach der Veröffentlichung des Berichts vor, den Ermittlern nicht die Wahrheit über das Verhältnis zu Kojo Annan gesagt zu haben. "Sie haben uns unverblümt angelogen". In einem Brief vom April vergangenen Jahres habe das Unternehmen beispielsweise behauptet, Kojo Annan nach 1998 kein Geld mehr bezahlt zu haben. Dagegen heißt es in dem Bericht der Volcker-Kommission, der Sohn des UNO-Generalsekretärs habe bis zu 484.492 US-Dollar erhalten, nachdem er Cotecna verlassen habe. Ein Cotecna-Sprecher wies Pieths Kritik zurück: "Wir sind sehr überrascht angesichts des Vorwurfs, nicht entgegenkommend gewesen zu sein", sagte Seth Goldschlager.
(apa/red)

30.3.2005 14:09