Gezielte Gefangenenmisshandlung: US-Soldaten folterten nicht nur in Abu Ghraib
- Skandal: Mund mit Draht zugenäht, Situps bis in den Tod
- Neue Dokumente belasten US-Armee im Irak schwer
Nach einem Dokument des Pentagons haben Soldaten der US-Armee nicht nur im berüchtigten Abu-Ghraib-Gefängnis in Bagdad gezielt Gefangene misshandelt. In dem 1.200 Seiten starken Papier wird unter anderem der Fall eines Gefangenen im nordirakischen Mosul geschildert, der nach erzwungenen körperlichen Übungen einen tödlichen Herzinfarkt erlitt.
"Folter von Gefangenen war viel weiter verbreitet, als die Regierung bisher zugegeben hat", sagte Jameel Jaffer, der Anwalt der US-Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union. Die Dokumente seien ein Beleg für "eklatantes Führungsversagen".
Mit der Veröffentlichung der Unterlagen von Ermittlern der US- Armee folgte das Pentagon der Anweisung eines Gerichts. Demnach wurden Gefangene vielfach geschlagen und durch körperliche Strafen an den Rand der Erschöpfung getrieben. Inhaftierte zu misshandeln, um dadurch an Informationen zu gelangen, sei eine "akzeptierte Praxis", berichten die Ermittler in den Dokumenten. Soldaten hätten teilweise die Anweisung erhalten, Gefangenen "eine Tracht Prügel zu verpassen".
Unter anderem wird auch der Fall des Irakers Abu Malik Kenami geschildert, der Ende 2003 in das Gefängnis von Mosul gebracht wurde. Kenami, der keinerlei gesundheitliche Probleme hatte, starb demnach an einem Herzinfarkt, nachdem seine Wächter ihn gezwungen hatten, mit hinter dem Kopf gefesselten Händen schnelle Situps und mit einem Sandsack auf dem Kopf Kniebeugen zu machen. Seine Leiche sei in einen Tiefkühlwagen geworfen und später ohne Obduktion begraben worden.
In einem weiteren Fall wurde nach Berichten der Ermittler einem inhaftierten Schüler nach einem Kieferbruch der Mund mit einem Draht zugenäht, sodass dieser nur noch mit einem Strohhalm flüssige Nahrung zu sich nehmen konnte. (apa/red)
