Erfolg für Interpol: Mutmaßlicher Steuer-Betrüger aus NÖ in Brasilien festgenommen
- Mehr als eine Milliarde Schilling Abgaben hinterzogen?
- Importierte billige Produkte & exportierte als teure Ware
Einer der - wenn nicht der - größten Finanzstraffälle in Österreichs Kriminalgeschichte könnte vor seiner Klärung stehen. In Brasilien ist am Mittwoch der mutmaßliche niederösterreichische Großbetrüger Werner R. festgenommen worden. Informationen der APA dazu bestätigte das Bundeskriminalamt am Donnerstag auf Anfrage dahingehend, dass ein seit Jahren per internationalem Haftbefehl gesuchter Österreicher festgenommen wurde. Nicht bestätigt wurde bisher der Name des Verdächtigen.
Werner R. soll von 1992 bis 1995 Umsatzsteuer von mindestens einer Milliarde Schilling hinterzogen haben, indem er billige Produkte importierte und als teure Ware exportierte. Scheinfirmen sollen dafür Rechnungen ausgestellt haben, die Umsatzsteuer soll ihm vom Finanzamt erstattet worden sein. Gegen ihn ist in diesem Zusammenhang ein Verfahren in Wien anhängig. 1996 dürfte er sich nach Brasilien abgesetzt und dort geheiratet haben. Er soll in der Gegend von Recife gelebt haben.
Der internationale Haftbefehl gegen Werner R. lief offiziell wegen einer mutmaßlichen Schadenssumme von einer Million Euro. Zudem wird dem Verdächtigen die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Er wurde in einer Maschine am Flughafen der brasilianischen Hauptstadt Brasilia festgenommen und sitzt - obwohl er nominell brasilianischer Staatsbürger ist - in der Interpol-Zentrale in Brasilia in Auslieferungshaft.
Gesucht seit Mitte der 90er-Jahre
Gesucht wurde der Verdächtige seit Mitte der neunziger Jahre. Er soll über mehrere Geschäftsverflechtungen Billigprodukte nach Österreich importiert, hier in teure Ware "umgeformt" und wieder exportiert haben. Die von den Scheinfirmen ausgestellten Rechnungen soll er dann beim Finanzamt vorgelegt haben, um die Umsatzsteuer - eine so genannte Vorsteuer - zurückzubekommen. Auf diese Weise soll er mindestens eine Milliarde Schilling (72,7 Mio. Euro) hinterzogen haben. In den Medien wurde er mit Spitznamen wie "Robin Hood" oder "Superhirn" bezeichnet.
Werner R. dürfte sich dann nach Brasilien abgesetzt haben, wo er 1996 heiratete und brasilianischer Staatsbürger wurde. Das verkomplizierte den Fall für die Zielfahndung des Bundeskriminalamts erheblich. 2002 bekamen die Kriminalisten den internationalen Haftbefehl gegen den Verdächtigen ausgestellt, sagte Oberstleutnant Helmut Reinmüller, Leiter der Zielfahndung des Bundeskriminalamts, der APA.
Festnahme wegen Scheinehe
Es dauerte jedoch, die brasilianischen Behörden davon zu überzeugen, gegen einen Staatsbürger ihres Landes vorzugehen. Ausschlaggebend dürften schließlich mehrere Faktoren gewesen sein. Einerseits soll Werner R. eine Scheinehe geführt haben - zusammen war er vermutlich mit einer anderen Frau.
Zudem dürfte er den brasilianischen Behörden Teile seines Vorlebens vorenthalten haben, unter anderem bezüglich der Verdachtsmomente gegen ihn in Österreich. Nicht zuletzt soll er seine Aktivitäten von Brasilien aus, zwar eingeschränkt, aber doch fortgesetzt haben. Das dürfte letztendlich den Ausschlag gegeben haben.
Wie es nun weitergeht, war am Donnerstag noch unklar. Werner R. sitzt in Auslieferungshaft in Brasilia. Verhandlungen sollen nun klären, ob er und wann er nach Österreich kommt. Normalerweise werden Staatsbürger des eigenen Landes nicht an andere Staaten ausgeliefert.
(apa)
