Dienstag, 29. März 2005

Eine wichtige "Geste der Versöhnung": Goldenes Ehrenzeichen für Franz Olah

  • Fischer: Auszeichnung für "Gesamtheit der Leistungen"

Mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit Stern für Verdienste um die Republik Österreich ist am Dienstag der frühere Innenminister und ÖGB-Präsident Franz Olah ausgezeichnet worden. Bundespräsident Fischer ging bei der Überreichung ausführlich auf die heikle Beziehung der SPÖ zu dem 1964 ausgeschlossenen Olah ein und betonte, dass die Auszeichnung für die "Gesamtheit der Leistungen" erfolge.

Er stehe zu seinem Leben und zu seinen Fehlern, sagte Olah in seiner Dankesrede. Bundeskanzler Schüssel sprach von einer wichtigen "Geste der Versöhnung". Er würdigte Olah als "Patrioten wie er im Buche steht". Mit seinem "persönlichen mutigen Eingreifen" beim KPÖ-Aufstand 1950 habe der damalige Chef der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft zur Rettung der Republik beigetragen.

Eine "wichtige symbolische Angelegenheit" und "nicht ganz unkontroversiell" sei diese Ordensverleihung, betonte Fischer. Harte Auseinandersetzungen wie die zwischen der SPÖ und Olah in den 60er- Jahren hätten immer etwas "Schmerzvolles". Aber in einer "fairen und objektiven" Auseinandersetzung mit der Geschichte der Zweiten Republik im Gedenkjahr müsse man Olah für die "Gesamtheit seiner Leistungen" danken.

Olah ging nicht ausdrücklich auf sein Verhältnis zur SPÖ ein. Er betonte nur, dass er auch rückblickend nichts anders gemacht hätte in seinem Leben: "Es gibt im Leben nicht die zweite Möglichkeit. Ich stehe zu meinem Leben und zu meinen Fehlern. ... Kein Mensch ist unfehlbar."

Auch Schüssel erwähnte das Jahr 1964, als Olah "in Ungnade fiel in seiner eigenen Partei". Er kritisierte das Urteil, das dem damaligen Gewerkschaftschef 1969 ein Jahr schweren Kerkers wegen nicht widmungsgemäßer Verwendung von Gewerkschaftsgeldern - für die Gründung der "Kronen Zeitung" - eintrug: "Das war schon ein eigenartiges Urteil", ein sehr knapper Entscheid, der "genauso gut in die andere Richtung hätte ausschlagen können". (apa/red)

29.3.2005 20:33