Unfallbilanz 2004: Historischer Tiefstand der Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr
- 878 Tote - jugendliche Lenker sind am gefährdetsten
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Jeder Dritte im Straßenverkehr Verletzte war im Jahr 2004 unter 24 Jahre alt. Damit ist diese Altersgruppe die am meisten gefährdetste auf Österreichs Straßen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der am Dienstag in Wien präsentierten Verkehrsunfallbilanz 2004. Von den insgesamt 878 Todesopfern gehören 23 Prozent dieser Altersklasse - die nur zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht - an.
"Das ist ein Missverhältnis, dem wir gegensteuern müssen", sagte Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) im Rahmen einer Pressekonferenz. Peter Hackl, Generaldirektor von Statistik Austria, nannte diese Ergebnisse "alarmierend".
Insgesamt ist die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden sowie die Zahl der Todesopfer aber rückläufig: Es gab insgesamt 42.657 Unfälle mit Personenschäden mit 55.857 Verletzten. Gegenüber 2003 ist das ein Minus von jeweils 1,8 Prozent. Bei den Getöteten wurde ein historischer Tiefstand erreicht: "Nur" 878 Menschen starben im Straßenverkehr im Jahr 2004, das sind um 53 weniger als noch 2003. "Man kann dieses Ergebnis nicht als gut oder erfreulich bezeichnen, denn jeder Tote ist einer zuviel", sagte Gorbach am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. "Aber dennoch ist es ein positiver Trend. Wir sind in die richtige Richtung unterwegs."
Allerdings zu langsam, wenn man das hoch gesteckte Ziel im Verkehrssicherheitsprogramm bis zum Jahr 2010 betrachtet: Bis dorthin soll die Anzahl der Todesopfer auf unter 500 sinken. Laut Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), hat man damit das Zwischenziel für 2004 (755 Todesopfer) um 123 verfehlt. Thann: "Aber es geht seit 2000 deutlich bergab." Mit neuen Maßnahmen wie "Licht am Tag", dem Einsatz von Alkohol-Vortestgeräten, der Sanierung von Unfallhäufungspunkten oder besseren Kontrollen auf Schutzwegen könne man das Ziel bis 2010 noch erreichen, zeigte sich Thann überzeugt.
Gorbach wiederum kritisierte die Österreicher als "Gurtenmuffel". Nur 75 Prozent würden sich regelmäßig anschnallen, europaweit würden dies aber 95 Prozent tun. "Wenn wir auf dieses internationale Niveau kommen, erwarte ich mir ein Minus von 100 Todesopfern jährlich."
Ansetzen wollen der Verkehrsminister und auch Innenministerin Liese Prokop (V) aber vermehrt bei den Kindern und Jugendlichen. Aktionen wie eine Verkehrsberatung in den Berufsschulen, die Aktion "Kinderpolizist" in der Volksschule, aggressive Rundfunk-Spots wie "Drink and drive is death" oder die seit kurzem in der Steiermark laufende Aktion "Close to" sollen eine Bewusstseinsänderung herbeiführen. Bei "Close to" besuchen Autolenker, die unter Alkoholeinfluss einen schweren Unfall verursacht hatten, die Fahrschulen und erzählen über ihre Erfahrungen. Diese Aktion soll es bald auch bundesweit geben.
Auf Autobahnen gab es 2004 um 17 Getötete mehr als 2003 - und zwar 126. Ein Drittel davon, so Thann, kommen nach Auffahrunfällen ums Leben: "23 Prozent der Österreicher sind schneller als 130 km/h unterwegs." Für Gorbach sei diese Entwicklung kein Hindernis für seine Pläne, auf Autobahn-Teilstrecken bald 160 km/h zuzulassen. Er habe stets betont, dass diese Erhöhung erst nach eingehenden Prüfungen und nur dann kommen werde, wenn sie nicht zu Lasten der Verkehrssicherheit gehe.
(apa/red)
