Dienstag, 22. März 2005

Neue Doku "Im Hause Chanel": Von Monsieur Karl bis zur Madame Jacqueline

  • Fünfteilige TV-Dokumentation über Traditionsmodehaus
  • Blick hinter die Kulissen des Stardesigners Lagerfeld

Sie schimpfen, fluchen, stechen sich in die Finger und warten auf "Monsieur Karl". Zwei Wochen vor den Haute-Couture-Schauen herrscht in den Chanel-Ateliers Hochstimmung, vor allem wenn Karl Lagerfeld kommt und kurzfristig noch wichtige Veränderungen vornimmt. Sieben Wochen lang hat Regisseur Loic Prigent die Schneiderinnen in der Pariser Rue Cambon mit der Kamera begleitet und Karl Lagerfeld bei der Anfertigung seiner Entwürfe über die Schulter geschaut.

Daraus entstand die amüsante und zugleich spannende fünfteilige Doku-Soap "Im Hause Chanel", die auf dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte vom 28. März bis 1. April jeweils um 20.15 Uhr zu sehen ist und einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen der Chanel Haute-Couture-Kollektionen wirft.

Prigent hat sich ein Vergnügen daraus gemacht, den Reiz der Doku-Soap, der darin besteht, Menschen zu beobachten, wie sie sich ungeniert vor der Kamera bewegen, völlig auszukosten. Kaum etwas wird kommentiert und fast alles wird gezeigt und mitgeschnitten. So hört man öfters die Schneiderinnen klagen, weil eine Naht nicht stimmt oder zwei Paillettenreihen wieder aufgetrennt werden müssen.

"Chanel kann warten"
Zum Schmunzeln animiert auch die 75-jährige Madame Pouzieux, die schon seit Jahrzehnten die für die Chanel-Kostüme unerlässlichen Borten anfertigt. Die Passement-Fachmännin lebt auf einem Bauernhof in Nordfrankreich und macht kein Kehl daraus, dass trotz des bevorstehenden Defilees für die Herbst-Winter-Saison 2004/2005 das Einfahren des Heus wichtiger sei als Chanel. "Wenn es Morgen regnet, fällt die Heuernte ins Wasser. Chanel kann warten", erklärte die leicht buckelige Frau in ihren Gummistiefeln, die so kaum dem Bild einer Chanel-Mitarbeiterin entspricht.

Ungewöhnliche Aufnahmen gibt es auch von Stardesigner Karl Lagerfeld, den man in seiner Pariser Wohnung bei der Arbeit an seinen Entwürfen sieht oder zusammen mit seinen fleißigen Schneiderinnen "Madame Jacqueline", "Madame Cecile" und "Madame Martine" über seine Modelle diskutiert. "Man hat uns bei den Dreharbeiten völlig freie Hand gelassen", erklärt der Regisseur - was der außergewöhnliche Einblick hinter die Kulissen der Chanel-Welt auch bestätigt. (apa)

22.3.2005 10:54