Mittwoch, 23. März 2005

Papst Johannes Paul II.: Osterpassion

  • Sein Zustand verschlechtert sich dramatisch.

Der Todkranke Papst: Das „Evangelium des Leidens“ als Inszenierung.
Die Leidenende Kirche: So zittert Rom und die Welt um den Heiligen Vater.

Er trägt schwer am „Geschenk des Leidens“: Bis auf müde Arm- und kaum kontrollierbare Kopfbewegungen ist sein Körper bewegungsunfähig. Die Muskeln seines Gesichts sind nicht mehr in der Lage, Emotionen auszudrücken. Dann und wann schlägt Karol Wojtyla mit der Faust auf die gepolsterte Armlehne seines hydraulisch bewegbaren Rollstuhles – so als würde er mit seinem Schicksal hadern. So herrscht im Vatikan zur Osterzeit dramatische Nervosität: Der Zustand des Papstes verschlechterte sich ausgerechnet am Beginn der Karwoche. Seine Atemprobleme nahmen zu – Ärzte erwägen einen neuen Spitalaufenthalt.

Ostern 2005: Erstmals seit 26 Jahren nahm Johannes Paul II. nicht mehr an der Palmsonntagszeremonie teil. Den Festgottesdienst am Petersplatz leitete Camillo Ruini, der Kardinalvikar von Rom und Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz. Der Papst selbst zeigte sich nur 45 Sekunden lang am Fenster seines Appartements im Apostolischen Palast. Während begeisterte amerikanische Jugendliche „John Paul II – we love you“ skandierten, schwenkte der fast 85-Jährige müde einen Palmwedel. Danach wurde das Fenster schnell geschlossen.

Es müsste ein Wunder passieren, käme der Papst jemals noch über seine vatikanischen Privatgemächer oder die Räume im 10. Stock der Gemelli-Poliklinik hinaus. Auch wenn der deutsche Kardinal Joachim Meisner immer wieder strahlend verkündet, der Papst werde „auf jeden Fall“ am Weltjugendtag in Köln (16. bis 21. August) teilnehmen, beherrscht hier wohl der fromme Wunsch die Realität: Jede Bewegung, jeder Luftzug und jede Temperaturschwankung bedeuten für den greisen Pontifex Lebensgefahr. Erst vor einem Monat wurde dem an Erstickungsanfällen leidenden Parkinsonpatienten in der Gemelli-Klinik eine Trachealkanüle einoperiert. Damit konnte die durch Muskelversagen im Rachenraum dramatisch aussetzende Atmung wieder einigermaßen mobilisiert werden. Kurz danach wurde die in die Luftröhre eingelegte Atmungkanüle ausgetauscht und durch eine Sprechkanüle ersetzt: Der Papst „kann wieder sprechen“ (Kardinal Josef Ratzinger).

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23.3.2005 19:26