Mein Beruf? Ich bin Bettler
- NEWS auf den Spuren der osteuropäischen Berufsbettler

Der Bettler-Report: Hunderte Männer, Frauen und Kinder aus dem Osten bitten täglich auf Österreichs Straßen um Almosen.
Die massiven Steinmauern erinnern an eine verfallene Burg, von den Zimmerwänden läuft Wasser. Die Räume sind düster, voll geräumt mit Betten und Matratzen. Am Boden: schmutzige Teppiche. Die Luft ist stickig die Öfen stammen vom Sperrmüll und sind längst nicht mehr dicht. In ihnen knistert leise verbrennendes Holz. Doch von Romantik keine Spur.
Was von den Bewohnern der Ortschaft Hostice in der östlichen Slowakei meistens nur als Schloss bezeichnet wird, würde in Österreich nicht einmal als Viehstall durchgehen.
90 Prozent arbeitslose Roma. Trotzdem leben hier Menschen. Insgesamt 35 haben in dem verfallenen Gemäuer am Rande der 800-Seelen-Gemeinde auf etwa 150 Quadratmetern ein Zuhause gefunden. Arbeit hat keiner von ihnen alle sind sie auf Sozialhilfe angewiesen. So wie 90 Prozent der ungefähr 500.000 Roma, die im neuen EU-Mitgliedsland Slowakei leben.
Für eine fünfköpfige Familie heißt das, mit umgerechnet 135 Euro im Monat überleben zu müssen. Deshalb fahre ich regelmäßig nach Österreich, erzählt Gabriel D., 27. Für etwa 20 Euro täglich bettelt der Mann auf der Straße, meist in Graz oder Wien. So kann ich wenigstens meine Familie ernähren.
200 Berufsbettler allein in Wien. In Österreich gehören Menschen wie Gabriel D. schon längst zum Straßenbild. Frauen, Männer, Kinder, die in Einkaufsstraßen und U-Bahn-Stationen um Almosen bitten. Exakte Zahlen, wie viele dieser Berufsbettler regelmäßig in unser Land kommen, liegen den Behörden nicht vor. In der Bundeshauptstadt sind es vermutlich zwischen 100 und 200 pro Tag, schätzt Peter Goldgruber von der Wiener Polizei. Tendenz: rasch zunehmend. Denn mit den steigenden Temperaturen wächst auch die Reisefreudigkeit der Bettler.
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