Freitag, 25. März 2005

Der Kampf ums letzte Hemd: Heimische Modehändler befinden sich in Existenzkrise

  • FORMAT: Kampf ums nackte Überleben in Modebranche
  • Wer vom Billigboom profitiert & wer nicht überleben wird

In der Textilbranche fliegen die Fetzen. FORMAT weiß, warum viele Händler auf ihrer Ware sitzen bleiben, wer vom Billigboom profitiert und wer die Rabattschlacht nicht überleben wird.

Bernhard Kloucek offeriert neuerdings Kommunikations- und Verkaufsberatung. Allerdings, so betont der Inhaber des gleichnamigen traditionsreichen Modehauses, nur nebenberuflich - zumindest vorerst. In Zeiten der Krise am Modemarkt will er sich rechtzeitig ein zweites Standbein aufbauen.

Woran Kloucek, Spezialist für große Größen, auch gut tut, denn unter Österreichs Modehändlern herrscht der Kampf ums nackte Überleben: Gleich 2,3 Prozent reales Umsatzminus verbuchte die Branche laut einer aktuellen Erhebung des Instituts KMU Forschung Austria vergangenes Jahr - das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Um die Herzen und vor allem die Börsen der Kunden zurückzuerobern, ist eine Rabattschlacht entbrannt, die viele Händler an den Rand des Ruins treibt: Laut Erich Lemler, oberster Wirtschaftskämmerer der Branche, schrieb 2004 bereits die Hälfte der Händler rote Zahlen.

Spitzenduo gesprengt
Jetzt verschieben sich dank der desaströsen Marktsituation sogar die bisher ehernen Kräfteverhältnisse unter den großen Ketten: Weil die Diskonter als Einzige von der Krise profitieren, sprengt Günstiganbieter Vögele erstmals das Spitzenduo H&M und C&A. Vögele ist jetzt mit 9 Prozent Marktanteil die Nummer zwei hinter H&M (14,9 Prozent Marktanteil) und verweist C&A (7,7 Prozent) auf den dritten Platz "Wir wachsen seit einigen Jahren stärker als der Markt. Es war also nur eine Frage der Zeit", so Zieger nicht ohne Stolz.

Die heimischen Modehändler haben bei den Kun-den schon seit längerem kein Leiberl mehr: Die Branche kämpft bereits seit drei Jahren mit sinkenden Umsätzen. Die Gründe für die Krise:

  • Die allgemeine Konsumzurückhaltung trifft die Textilhändler überproportional stark: "Wir kämpfen um einen immer kleiner werdenden Anteil an einem schrumpfenden Einzelhandelsgesamtkuchen", so Vögele-Chef Zieger. "Kleidung muss man nicht kaufen, da spart es sich am leichtesten - leider."

  • Das schlechte Wetter wiederum macht H&M-Chefin Claudia Oszwald für die angespannte Lage verantwortlich: "Der Mai 2004 war viel zu kalt, der Oktober viel zu warm. Verkaufsfördernd war es jedenfalls nicht." Die Nachfrage nach den jeweiligen Kollektionen springe damit zu langsam an, was später nicht mehr aufzuholen sei.

  • Kundenfang per Rabattschlacht erweist sich als Bumerang: Preisnachlässe bis zu 70 Prozent sind jetzt auch abseits der klassischen Ausverkäufe üblich. "Die Kunden erwarten ganz selbstverständlich Rabattaktionen. Wir haben es übertrieben und sind deshalb selbst daran schuld. Jetzt müssen wir damit leben", seufzt Bernhard Kloucek. Die Preisnachlässe pulverisieren die Gewinnspannen: "Ein oder zwei Jahre sind rote Zahlen auszuhalten", analysiert Erich Lemler, "aber langsam wird es eng für die Kleinen."

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    25.3.2005 11:52