Niki Lauda im Interview mit FORMAT:
"Die AUA wird halt weiter dahingrundeln"
- Airline-Chef über die neue Bedrohung durch die Swiss
- Über Verhältnis AUA-Lufthansa: "Nicht beste Freunde"

Nach der Übernahme der Swiss durch die Lufthansa wird die Luft für die Austrian dünner. In FORMAT analysiert Airliner Niki Lauda die neue Bedrohung der AUA durch die Swiss und das schwierige Verhältnis zur übermächtigen Lufthansa.
FORMAT: Am Dienstag dieser Woche wurde die Übernahme der Swiss durch die Lufthansa fixiert. Herr Lauda, Sie kennen die Verhältnisse. Wie gefährlich ist diese Entwicklung für die Austrian?
Lauda: Ziemlich gefährlich. Die Lufthansa hat mit dem Kauf der Swiss eine ihrer Grundregeln gebrochen. Unter Jürgen Weber galt das Prinzip bloßer Kooperationen. Der aktuelle CEO Wolfgang Mayrhuber fährt jetzt eine neue Strategie, die für die AUA ungemütlich wird.
FORMAT: Weil die Deutschen die Swiss mehr unterstützen werden als den Star-Alliance-Partner Austrian?
Lauda: Logisch. Die Lufthansa steigt dort ja ein, um Geld zu verdienen. Ich hätte das auch gemacht, schon alleine wegen der Marke Swiss. Die ist viel wert. Die Lufthansa wird Zürich als Langstrecken-Hub stärken. Wien verliert für sie an Bedeutung.
FORMAT: AUA-Chef Vagn Sørensen erklärt, das sei alles nicht so schlimm.
Lauda: Ich verstehe ihn nicht, wenn er sagt, dass dieser Deal für die AUA wurscht ist. Zürich war immer einer der Hauptgegner, selbst zu Zeiten der Partnerschaft mit der Swissair. Da hat die AUA dort das Fliegen gelernt und hing am Gängelband der Schweizer.
FORMAT: Das gemeinsame Dach mit der Lufthansa, die Star Alliance, schützt den heimischen Nationalcarrier nicht?
Lauda: Die Star Alliance ist keine Lebensversicherung. Es dürfte ja zum Beispiel nicht sein, dass der Hub München schneller wächst als Wien. Vereinbart war, dass beide gleich wachsen. Und trotzdem verliert die AUA innerhalb der Allianz Passagiere in Wien. Die Lufthansa fliegt von München nach Osteuropa: Märkte, die eigentlich der AUA gehören.
FORMAT: Die Deutschen sind demnach ein nicht sehr verlässlicher Partner?
Lauda: Würde ich nicht sagen. Das sind schlicht die Machtverhältnisse, das muss man klar sehen. Nur wird mit der Swiss jetzt eine zusätzliche Konkurrenz aufgebaut. Die AUA kriegt es mit einem aufgepäppelten Feind zu tun.
FORMAT: Und der Lufthansa steht eine Tochtergesellschaft Swiss näher
Lauda: Sowieso. Deren Zahlen fließen ins Konzernergebnis. Da ist das Hemd näher als der Rock.
FORMAT: Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Austrian und Lufthansa beschreiben?
Lauda: Als ganz normal, aber sicher nicht als die besten Freunde. Die Sache mit der Swiss ist ja schon ein ernster Affront für die AUA.
Format: Angeblich gibt es oft Streit in der Star Alliance, zum Beispiel weil die AUA von Wien billiger nach Shanghai fliegt als der Kranich von Frankfurt.
Lauda: Kann ich mir gut vorstellen. Das AUA-Management muss sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig aus der Star-Alliance-Mitgliedschaft gemacht zu haben. Es kann doch nicht sein, dass die Billig-Airline Germanwings, eine Beteiligung der Lufthansa, zwischen Deutschland und Österreich fliegt - dort, wo die AUA Geld verdient.
Format: Der AUA wurde angeboten, sich mit einer Austrianwings an dem Projekt zu beteiligen. Sie hat abgelehnt.
Lauda: Genau, ein schwerer Fehler. Nur so hätte sich der Markt gegen Air Berlin & Co abdichten lassen.
Format: Wie kann denn die AUA nun auf die Swiss-Bedrohung reagieren?
Lauda: Reagieren kann sie gar nicht, nur Schadensbegrenzung betreiben. Sie muss diplomatisch vorgehen und ihre Interessen vertreten, ohne die Lufthansa durch ständiges Raunzen zu verärgern. Eine echte Lösung für das Problem hätte ich auch nicht.
Format: Wäre eine Lösung, dass die Austrian selbst übernommen wird?
Lauda: Sehe ich nicht. Die Lufthansa würde die AUA meiner Meinung nach gar nicht wollen - außer um einen symbolischen Cent. Aber Herschenken bringt nichts. Die Frage ist, ob es die AUA auf Dauer eigenständig schafft. Sie wird halt weiter plus minus null herumgrundeln.
Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT
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