Weiter keine Lieferungen: Yukos sucht einen Käufer für sein Ungarn-Ölkontingent
- Abkommen von MOL und Lukoil gegen Engpässe
Der angeschlagenen russische Ölkonzern Yukos wird auch im zweiten Quartal kein Öl nach Ungarn liefern. Der Ölgigant habe beschlossen, seine 430.000 Tonnen Ungarn-Exportquote für diesen Zeitraum an andere Ölfirmen zu verkaufen, sagte ein Firmensprecher.
Die Yukos-Lieferungen nach Ungarn wurden bereits im Jänner nach dem umstrittenen Verkauf des Yukos-Kerngeschäftes, der Yuganskneftegaz, ausgesetzt. Yuganskneftegaz war Mitte Dezember 2004 von der bis dahin unbekannten Baikal-Finanzgruppe ersteigert worden. Diese wurde kurze Zeit später vom staatlichen Ölkonzern Rosneft übernommen.
Um die Versorgungsengpässe zu kompensieren, unterzeichnete die ungarische MOL am 19. Jänner mit Lukoil ein Übereinkommen zur Lieferung von 5 Millionen Tonnen Rohöl für die kommenden Fünfjahresperioden, beginnend ab 1. April.
Yukos will Mehrheit an litauischer Raffinerie verkaufen
Zudem Yukos steht anscheinend kurz davor, seinen Mehrheitsanteil an der litauischen Raffinerie Mazeikiu Nafta zu verkaufen. Die litauische Regierung berate über ein Verkaufsangebot von Yukos, berichtet die Tageszeitung "Lietuvos Rytas" laut der baltischen Nachrichtenagentur BNS. Vereinbarungsgemäß muss Yukos die Anteile zuerst der Regierung zu denselben Bedingungen anbieten, wie einem anderen Kaufinteressenten.
Yukos hält derzeit 53,7 Prozent am Raffinerie- und Transportkonzern, 40,6 Prozent befinden sich im Besitz Litauens. Der Wert des Yukos-Anteils wird auf 1,99 Billionen Litas (576 Mrd. Euro) geschätzt.
Berichten vom Donnerstag zufolge haben die beiden russischen Ölfirmen Lukoil und TNK-BP formell ein Kaufangebot für die Yukos-Anteile an Mazeikiu Nafta gelegt. Laut Premierminister Algirdas Brazauskas haben interessierte Käufer bereits Litauen besucht. Nach anderen Quellen hat Yukos kein Kaufangebot bekommen und überlege auch nicht, Anteile zu verkaufen.
"Es liegt an Yukos, ob sie die Anteile verkaufen wollen oder nicht. Aber es stimmt, die Käufer müssen auch mit litauischen Regierung zusammentreffen", so ein Berater des Premiers.
Laut dem Zeitungsbericht habe bei den informellen Gesprächen Lukoil die bessere Chancen. Die staatliche Lukoil verfüge über die größte Tankstellenkette im Baltikum, besitze aber keine eigene Raffinerie in der Region und habe wiederholt ihr Interesse an einem Kauf der Mazeikiu Raffinerie ausgedrückt. Für russische Ölexperten sei es nur mehr eine Frage der Zeit, bis Lukoil die Kontrolle über die litauische Raffinerie übernimmt. (apa)
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