Dienstag, 22. März 2005

Keine Übernahme im Anflug: AUA hat
gute Chancen eigenständig zu bleiben

  • AUA-Chef schließt Übernahme durch Lufthansa aus
  • Sörensen: "Es gibt keine Gedanken, uns zu verkaufen"

Konzernchef Vagn Sörensen sieht für die Austrian Airlines Group gute Chancen, die Eigenständigkeit langfristig zu bewahren. Eine Übernahme durch die Lufthansa wie im Fall der Swiss schließt er für die AUA aus. "Die Lufthansa will das nicht", sagte Sörensen in einem Radio-Interview. Die Kooperation funktioniere auch jetzt schon gut. Außerdem gebe es keinen Privatisierungsauftrag, betonte Sörensen. "Die AUA steht nicht zum Verkauf." Dies habe zuletzt auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) bestätigt. Die Staatsholding ÖIAG hält an der AUA 39,7 Prozent. Sörensen: "Es gibt keine Gedanken, uns zu verkaufen."

Dass der AUA kein Swiss-Schicksal droht, erklärte Sörensen in der aktuellen Ausgabe des "WirtschaftsBlatts" wie folgt: "Die AUA Airlines Group hat sich im Unterschied zu Swiss auf die Spezialverkehrsgebiete von und nach Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Asien/Australien spezialisiert. Swiss versucht hingegen, alle Segmente abzudecken - mit dem Nachteil, sich auf nichts spezialisiert zu haben. Die Austrian Airlines Group betreibt heute ein dichtes, zwischen Ost und West ausbalanciertes Verkehrssystem, das vor allem in der Zukunft gute Wachstumschancen hat."

Die AUA habe gute Voraussetzungen, eigenständig zu bleiben. Bedingung dafür sei aber, dass man bei den Kosten wettbewerbsfähig bleibe, die Marktnische ertragsmäßig optimal ausnütze und auch das Netzwerk optimal gestalte, sagte Sörensen im Mittagsjournal.

Ansporn zu besserer Zusammenarbeit
Außerdem müssten alle, die mit der AUA in der Wertschöpfungskette verbunden sind - der Flughafen Wien, die Austro Control und die politischen Entscheidungsträger -, ein gemeinsames Ziel ansteuern: die AUA und damit die Infrastruktur und den Wirtschaftsstandort Österreich stärken. Das Schicksal der Swiss könnte dazu ein Ansporn sein. "Ich glaube, das wird uns helfen", sagte der AUA-Chef. Wie man die AUA am besten unterstützen könnte? "Bessere Infrastruktur, niedrigere Gebühren und keine ungerechtfertigten Steuern."

Es bestehe keinerlei Grund, die mögliche Übernahme der Swiss durch Lufthansa zum Anlass zu nehmen, eine erfolgreiche Zukunft der AUA Group beziehungsweise die gute Perspektive des Standorts Österreich in Frage zu stellen, hieß es in einem schriftlichen Statement Sörensens an die APA. "Wir werden alles daran setzen, um der österreichischen Wirtschaft den Wettbewerbsvorteil eines großen, weltweiten Streckennetzes mit Wien als Drehscheibe auch künftig zu verschaffen."

Sörensen will Vertrag erfüllen
Auf die Frage, ob Sörensen versprechen könne, bis zum Ende seines Vorstandsvertrages (September 2006) nicht zur Lufthansa bzw. zur Swiss zu wechseln, sagte der AUA-Chef zum "WirtschaftsBlatt": "Ich habe vor, meinen laufenden Vertrag zu erfüllen. Alles andere ist in erster Linie eine Eigentümerfrage. Zu Lufthansa oder Swiss zu wechseln war für mich noch nie ein Thema." (apa/red)

22.3.2005 14:00