Milchbauern sind richtig sauer: Hunderte demonstrierten in Österreich für mehr Geld
- Europaweiter Milchlieferboykott als letzter Ausweg
- Milchpreis soll von 28 auf 40 Cent angehoben werden
Österreichs Milchproduzenten wollen den Preisverfall bei Rohmilch nicht weiter schlucken. Der mehr als 4.000 Mitglieder zählende Verein IG Milch hat daher zu Protestaktionen vor sechs heimischen Molkereien aufgerufen, bei denen sie ultimativ innerhalb der nächsten beiden Jahre einen Erzeugerpreis von 40 Cent je Kilogramm Milch forderten. Die Alternative: ein europaweiter Lieferboykott.
Mit Transparenten, Traktoren und Kühen demonstrierten am Dienstagvormittag 300 Milchbauern aus Niederösterreich vor der NÖM-Zentrale, wo auch der Obmann der IG Milch, Ewald Grünzweil, versuchte, seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen: "Wir hoffen alle auf ein Einlenken von Handel und Molkereien - denn so kann es einfach nicht weitergehen". Seitens der NÖM wurde jedoch unmissverständlich klar gemacht, dass ein Milchpreis von 35 bis 40 Cent unrealistisch sei, zumal auch die Marktentwicklung in eine andere Richtung zeige.
An drei Standorten von oberösterreichischen Molkereien - der Berglandmilch mit Sitz in Pasching bei Linz, der Welser Landfrisch und der Gmundner Molkerei - sind heute Vormittag ebenfalls Protestkundgebungen von Milchbauern abgehalten worden. Vor dem Bergland-Werk in Aschbach (Bezirk Amstetten) in Niederösterreich fanden sich mehr als 1.000 Menschen ein, nach Wels kamen an die 100 Personen, zur Veranstaltung in Gmunden waren rund 300 Teilnehmer angemeldet.
Die Veranstaltungen verliefen ohne Zwischenfälle, bei der Kundgebung am niederösterreichischen Produktionsstandort der größten österreichischen Molkerei, der Berglandmilch, gaben sich die Landwirte aber durchaus kämpferisch. Sie hielten Transparente hoch, auf denen Sprüche wie "Milchbauern sind 365 Tage im Einsatz! Zu welchem Lohn?" oder "Was wir heute billig kaufen, müssen wir morgen teuer bezahlen" standen. Berglandmilch-Obmann Anton Haimberger und Geschäftsführer Josef Braunshofer betonten, dass eine Erhöhung der Milchpreise nur europaweit erfolgen könne.
Rund 400 Demonstranten haben sich auch vor dem Betriebsgelände der Alpenmilch Salzburg eingefunden, wo die IG-Milch-Funktionäre durchaus kämpferische Töne angeschlagen haben. "Mit 32 Cent (pro Liter Milch, Anm.) findet man keine Lebensgrundlage mehr", sagte Franz Loitfellner, Salzburgs Landessprecher der IG Milch. Alpenmilch-Direktor Hans Steiner, gleichzeitig auch Präsident des Verbandes Österreichischer Milchverarbeiter, meinte, dass nur ein europaweiter Schulterschluss Verbesserung bringen könne. Steiner pflichtete den Demonstranten bei, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen sollten. (apa/red)
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