Mittwoch, 23. März 2005

Swiss geht an Lufthansa: Grünes Licht für Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft

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Nach der Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss peilt die deutsche Lufthansa weiteres Wachstum an. Die deutsche Fluglinie erwartet von ihrem neuen Schweizer Juniorpartner bereits im nächsten Jahr schwarze Zahlen, wie Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main erklärte. Einsparungen durch Synergieeffekte will die Lufthansa wieder ins Geschäft stecken. "Wir haben eine Wachstums- und keine Schrumpfungsvision", sagte Mayrhuber.

Der Zeitpunkt für die Übernahme der angeschlagenen Swiss war nach Worten des Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden diesmal weitaus günstiger als bei dem gescheiterten ersten Versuch vor zwei Jahren. "Swiss ist geschrumpft und schlanker geworden", sagte er. Durch den Sanierungsfortschritt der Swiss sei das Risiko für die Lufthansa bei einem Zusammenschluss "deutlich geringer geworden".

Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) sieht den Einstieg der Lufthansa bei der Swiss skeptisch. Die Integration von Swiss werde die Risiken für den deutschen Marktführer in einem ohnehin schon schwierigem Geschäftsumfeld wahrscheinlich erhöhen. Die Bewertung der Geschäftsaussichten der Lufthansa wurden von "stabil" auf "negativ" gesenkt.

Lufthansa hofft auf Kundenzuwachs
Die Lufthansa erhofft sich von dem Geschäft eine Verbreiterung ihrer Kundenbasis, besonders im lukrativen Bereich der Geschäftsreisenden, wie Mayrhuber betonte. Die Swiss erhalte im Gegenzug strategische und finanzielle Stabilität. "Die Schweiz, Deutschland und Europa profitieren." Hauptnutznießer seien aber die Kunden dank eines besseren Angebots und des erweiterten Vielfliegerprogramms.

Probleme in den Verhandlungen mit anderen Ländern über die Verkehrs- und Flugrechte nach der Übernahme, die bis spätestens 2007 abgeschlossen sein soll, erwartet Mayrhuber nach eigenen Worten nicht: "Es gibt dafür keine Anzeichen", sagte er. Die Verhandlungen sollen von der Schweiz geführt werden.

Rascher Zusammenschluss war sinnvoll
Mayrhuber begründete die Swiss-Übernahme mit der fortschreitenden Konsolidierung im europäischen Luftverkehr. "Keiner kann mehr allein." Die Lufthansa stand bei ihrer Swiss-Offerte unter Zeitdruck, wie der Konzernchef zu verstehen gab. Beide Fluglinien stünden vor wichtigen Weichenstellungen, beispielsweise bei der Entwicklung ihrer Drehkreuze, der Allianzbildung, im Regionalverkehrs und ihrer Antwort auf die Herausforderungen durch Billigflieger. "Jetzt können wir unsere Kräfte bündeln. Bei längerem Zuwarten hätte die Gefahr des Auseinanderdriftens bestanden", sagte Mayrhuber. Ein Zusammenschluss wäre dann vielleicht nicht mehr möglich oder sinnvoll gewesen.

"Swiss bleibt Swiss"
"Swiss bleibt Swiss - auch mit Lufthansa. Die Marke Swiss bleibt erhalten", erklärte Mayrhuber weiter. Er machte klar, dass er von dem Swiss-Management unter dem früheren Lufthansa- und Deutsche-Bahn-Manager Christoph Franz, dem er bereits am Morgen bei einer Pressekonferenz in der Schweiz eine gute Arbeit bescheinigt hatte, eine Fortsetzung des Sanierungskurses verlangt. "Ich spüre bei Swiss einen Grundkonsens zwischen Führung, Mitarbeitern und Gewerkschaften. Ich denke, dass auch noch die übrigen Baustellen geschlossen werden."

Klar im Schatten der am Abend zuvor unter Dach und Fach gebrachte Übernahme der Swiss standen die von Mayrhuber verkündeten Bilanzzahlen des vergangenen Jahres, die aber teils schon in Grundzügen bekannt waren. Die Kranichlinie konnte 2004 nach einem Verlust von fast einer Milliarde Euro trotz gestiegener Treibstoffkosten einen Konzerngewinn von 404 Mio. Euro einfliegen. Das operative Ergebnis wurde deutlich um 347 Mio. Euro auf 383 Mio. Euro gesteigert. Die betrieblichen Aufwendungen sanken um 0,3 Prozent. "Wir sind heute schlanker, fitter und leistungsfähiger", sagte Mayrhuber.
(apa/red)

23.3.2005 14:53