Eurest auf Expansionskurs: Gastronomie-Konzern bekundet Interesse an Airest
- Umsatzsteigerung um 30 % in drei Jahren geplant
Der österreichische Betriebsgastronomie-Anbieter Eurest, Tochter des weltgrößten börsenotierten Caterers Compass, ist auf Expansionskurs. In den nächsten drei Jahren sei eine Umsatzsteigerung um 30 Prozent geplant, kündigte Eurest-Geschäftsführer Norbert Hummel an. Organisch wachsen will Eurest dabei vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung für den öffentlichen Bereich sowie bei Frischküchen für Klein- und Mittelunternehmen. Zudem seien Zukäufe - etwa im Autobahnraststätten-Bereich - möglich, so Hummel. Interesse hat Eurest auch am Airline-Caterer Airest angemeldet.
Sollte die Austrian Airlines (AUA) Airest wie angekündigt im zweiten Quartal 2005 zur Gänze zu übernehmen und dann veräußern, werde man sich den Caterer genau anschauen, sagte Hummel. Man sei jedenfalls an der Airest interessiert, allerdings nur am Boden-Gastronomie-Bereich und nicht am Luftfahrt-Catering. Das Airline-Catering könnte dann allerdings von einem Mitbewerber, etwa Do & Co, übernommen werden.
Eurest hat 2002/03 (per Ende September) einen Umsatz von 60,5 Mio. Euro erzielt, 2003/04 dürfte er bei rund 64 Mio. Euro gelegen sein (die endgültige Bilanz liegt noch nicht vor). Die Gewinnmarge liegt bei 6 Prozent des Umsatzes. Eurest beschäftigt 1.200 Mitarbeiter, die Zahl könnte in den nächsten drei Jahren bei entsprechendem Umsatzwachstum um 30 Prozent steigen.
Eurest kocht in 120 österreichischen Betrieben vor allem in Wien, Salzburg und Tirol, täglich werden 40.000 Essen zubereitet. 65 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Bereich Gemeinschaftsverpfegung und Betriebs-Kantinen, den Rest stellen Catering und Party-Service, Sport- und Eventgastronomie (etwa für das Tivoli Stadion und das Eisstadion in Innsbruck und die Bobbahn in Igls) sowie Verkehrsgastronomie auf Autobahnen, Flughäfen und Bahnhöfen.
Der Markt für Gemeinschaftsverpflegung stehe derzeit "an der Schwelle zur Veränderung", sagte Hummel. Während die Betriebsgastronomie stagniert, da sich in Österreich auch kaum neue große Unternehmen ansiedeln und der Markt sehr gesättigt ist, bieten neuerdings vor allem Unternehmen aus dem öffentlichen und sozialen Bereich wie Krankenhäuser oder Altenheime, die ihre Verpflegung früher selbst durchgeführt haben und nun an Private vergeben, großes Wachstumspotezial.
Änderungen ergeben sich auch durch die neuen Essgewohnheiten der Österreicher Richtung gesunde und bewusste Ernährung. Zudem seien neue Konzepte für flexible Betriebsgastronomie und flexiblere Essenszeiten gefragt. Der Kunde sei außerdem wesentlich anspruchsvoller geworden, so Hummel. 15 Prozent der Kunden ernähren sich bereist heute gesund, bis 2006 wird dieser Anteil laut Eurest-Schätzungen auf 20 bis 25 Prozent steigen. 65 Prozent der Betriebsmitarbeiter essen derzeit im Schnitt in der Kantine und geben etwa 3,5 Euro pro Essen aus, schätzt Hummel.
Auf die geänderten Essgewohnheiten reagiert Eurest mit dem Frischküchensystem "Piccorante" für kleine und mittlere Betriebe sowie mit neuen Speisen aus den Bereichen Brain-, Power-, Mood- und Beauty-Food, die in den Wochen-Menü-Plan eingearbeitet werden. Für größere Einheiten wie Businessparks oder Bürozentren arbeitet Eurest derzeit an einem "Marktplatz"-Konzept mit verschiedenen Verpflegungseinheiten. Eurest stellt für Betriebsküchen die gesamte Infrastruktur zur Verfügung.
Das Frischküchesystem eigne sich vor allem für Betriebe, die sich bisher keine eigene Betriebsverpflegung leisten konnten, erläuterte Hummel. 28 Betriebe nutzen das System bereits, darunter Sony und Zürich Versicherungen in Wien. Zu den weiteren Kunden von Eurest zählen die Mediaprint, Opel, Austria Tabak, das Brief- und Paketverteilerzentrum der Post in Vösendorf und der Business Park Euro Plaza. Eurest hofft außerdem auf den Betriebsgastronomie-Auftrag beim ORF, der in Kürze vergeben werden soll. (apa)
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