Donnerstag, 24. März 2005

50. Länderspiel für Manu-Star: Ryan Giggs,
walisischer Hoffnungsträger seit 14 Jahren

  • Flügelflitzer schlüpft in Cardiff in die Kapitänsrolle
  • Gegen Milan erlittener Nasenbeinbruch behindert nicht

Er ist der Hoffnungsträger des walisischen Fußballs. Und das bereits seit 14 Jahren. Sein Debüt im Nationalteam feierte er als jüngster Spieler der Geschichte im zarten Alter von 17 Jahren und 321 Tagen am 16. Oktober 1991 (1:4) gegen den damals amtierenden Weltmeister Deutschland. Und auch in den WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich am Samstag in Cardiff und am darauf folgenden Mittwoch in Wien wird ihm eine Schlüsselrolle zu Teil - Ryan Giggs. Im Millennium Stadium absolviert der 31-jährige Routinier sein 50. Länderspiel, zur Feier des Tages als Kapitän.

In den vergangenen Jahren war der Flügelspieler von Manchester United von zahlreichen Verletzungen heimgesucht worden, zuletzt hatte ihn ein bei der 0:1-Niederlage im Champions-League-Achtelfinale gegen AC Milan erlittener Nasenbeinbruch kurzfristig außer Gefecht gesetzt. "Die Nase wurde gerichtet. Er hat wenig trainiert, aber ist am Wochenende sicher topfit", meinte Neo-Teamchef John Toshack im Camp. Giggs wird jedoch voraussichtlich mit einer Gesichtsmaske einlaufen.

Bereits im Jahr 1999 hatte Giggs im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Milans Stadtrivalen Inter (2:0) mit einer stark blutenden, gebrochenen Nase schockiert. Anmerken hatte er sich schon damals nichts lassen: Sechs Wochen nach der Verletzung erzielte der gelernte Mittelstürmer im Wiederholungsspiel des FA-Cup-Semifinales in der Verlängerung gegen Arsenal (2:1) ein bis heute unvergessenes Tor. Sein perfekt abgeschlossener Solo-Lauf in der 109. Minute ging sogar als "bestes Tor des FA-Cups" in dessen Geschichte ein.

Dazu führte er Manchester in den folgenden Monaten mit Top-Leistungen zum "Treble" von Premier League, FA Cup- und Champions League-Triumph. Dass der Flügelflitzer mit angeknackster Nase auch sechs Jahre später im Frühjahr 2005 zur Überform aufläuft, ist der ÖFB-Auswahl für die beiden Schicksalsspiele gegen Wales nicht zu wünschen.

Wales' Superstar ist hart im Nehmen. Sein Vater Danny Wilson war Rugby-Profi, spielte unter anderem für Cardiff und Swinton. Und auch Sohn Ryan Joseph ist - wie es sich für einen gestandenen "Welshman" gehört - passionierter Rugby-Fan, besucht so oft wie möglich Matches seines Lieblingsklubs Wigan RL. Ein waschechter Waliser ist Giggs dennoch nicht, führte er doch sogar einmal eine englische Schüler-Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld. "Für England zu spielen war aber nie eine Option", sagte der schnelle, dribbelstarke Mittelfeldspieler, dessen Jugendidole Mark Hughes (Ex-Teamchef) und Stürmer-Legende Ian Rush ebenfalls für die walisischen "Drachen" glänzten.

Schon mit sieben Jahren wanderte Giggs ins große Nachbarland aus, ehe Alex Ferguson sieben Jahre später an seine Tür klopfte, nachdem Giggs zuvor vom Stadtrivalen Manchester City als "zu schwach" eingeschätzt worden war. Das mit George Best verglichene "Jahrhunderttalent" ging zu United und avancierte vom Jungstar zum nach Titeln gerechnet erfolgreichsten Spieler der Klubgeschichte.

Doch immer noch plagt "Giggsy" ein Ziel: Erstmals seit 1958 will er sein Land zu einem großen Turnier führen, die Chancen für die WM 2006 gehen nach vier Quali-Spielen und zwei Punkten allerdings gegen Null. "Ich möchte meine internationale Karriere lieber ohne Teilnahme an einem wichtigen Turnier durchlaufen, als für ein Land zu spielen, mit dem ich nichts zu tun habe", erklärte Giggs, der in der Qualifikation für die EURO 2004 erst im Playoff an Russland gescheitert war. "Ich bin Waliser, Ende der Geschichte." (apa)

24.3.2005 11:22