Samstag, 26. März 2005

Hans Krankl im großen NEWS-Interview: "Hitzfeld? Der soll doch bitte, bitte kommen!"

  • Der Teamchef über seine Zukunft und seine Kritiker

Österreichs ehemaliger Goleador geht im NEWS-Interview mit Journalisten hart ins Gericht. Darüber hinaus bettelt der erste Trainer im Land, dass Hitzfeld nach Bregenz fährt.

NEWS: Warum wollen vor so wichtigen Länderspielen wie gegen Wales die Leute immer gescheiter sein als der Teamchef?
Krankl: Nicht die Leute, bitte schön, sondern die Journalisten. Sobald solche Spiele näher rücken, beginnt dieses Pharisäertum. Diese Art, jetzt warten wir einmal ab, was passiert, und dann haun wir ihm eine in die Goschn oder nicht. Das ist diese Unehrlichkeit, diese Falschheit, die den Fußball regiert. Nicht bei den Fans, weil die beurteilen es positiv oder negativ. Aber dieses Warten der Journalisten. Wenn er verliert, dann können wir ihn betonieren, gewinnt er, dann schreiben wir vorsichtig positiv und warten weiter ab. Aber ich garantiere Ihnen, die, die mich erwischen wollen, können mich nicht erwischen. Ich steh über den Dingen. Nur, es ist mühsam, weil ich vieles weiß, was Journalisten tun. Ich hab auch meine Quellen, die mir berichten. Und da ist es für mich schon sehr schwierig, ruhig zu bleiben, wenn ich weiß, aha, genau der dort sitzt, hat das hinter meinem Rücken gemacht.

NEWS: Wäre es da oft nicht besser, gleich Klartext zu reden?
Krankl: Ich bin mit 19 Fußballprofi geworden, heute bin ich 52. Ich bin 33 Jahre im Geschäft. Da lass ich mich doch nicht von einem Journalisten, der ein Würschtl ist, beeindrucken. Ob mich einer mag oder nicht, soll jeder halten, wie er will. Damit hab ich kein Problem. Mich stört nur diese ständige Intrige, dieses Warten, um mir eins auszuwischen. Aber ich fordere das natürlich auch mit meiner Art heraus, weil ich jeden stelle, der mich versucht zu beleidigen oder meine Kompetenz infrage stellt.

NEWS: Was würden Sie als größten Erfolg Ihrer bisherigen Teamchef-Ära bezeichnen?
Krankl: Mein größter Erfolg war, dass ich eine Nationalmannschaft geformt hab, auf die alle Österreicher stolz sein können. Im Jahr 2004 hatten wir die größten Zuschauerzahlen, die es jemals im ÖFB innerhalb eines Jahres gegeben hat. Das zeigt, man hat dieser Nationalmannschaft vertraut, und die Mannschaft hat sich als würdig erwiesen, obwohl es eine Niederlage gegen Polen gegeben hat. Aber es wurde bis zur letzten Minute um ein Unentschieden gekämpft. Das haben die Fans honoriert. Ich hab 2:2 gegen England gespielt. Das war ein toller Erfolg. Und ich hab 1:0 in Moldawien verloren. Das war ganz, ganz schlecht. Aber ich will nicht auf Resultate eingehen, sondern auf die Entwicklung hinweisen. Denn die stimmt absolut.

NEWS: Obwohl Ihnen Ihre Kritiker vorwerfen, noch immer keine Mannschaft gefunden zu haben?
Krankl: Das sagen ein paar wenige, die sich nicht auskennen. Obwohl ich ältere Spieler zurückgeholt hab, ist die Mischung da. Positionen sind doppelt besetzt, wenn ein Älterer ausscheidet. Nur ein Beispiel, dass es nicht wieder heißt, das ist alles nur ein Schmäh: Wenn Kühbauer heute nicht spielt, kommt sofort Kiesenebner. Und in der Abwehr haben wir überhaupt nur Junge mit Stranzl, Pogatetz, Katzer, Standfest. Können Ehmann oder Hiden nicht mehr spielen, kommt sofort Pogatetz als Innenverteidiger infrage. Also: In diesem Kader ist schon mehr drinnen, als die aktuelle Mannschaft mit Kühbauer, Kirchler und vielleicht auch Vastic zeigt. Ich hab die Nachfolger gefunden. Das ist auch Arbeit. Das nennt man Entwicklung.

NEWS: Haben Sie sich als Nationaltrainer menschlich verändert?
Krankl: Als Fußballtrainer wird man leider vorsichtiger und misstrauischer. Das ist kein schöner Zug. Glauben Sie mir, ich bin nicht gerne misstrauisch, ich bin einer, der lieber Schmäh führt. Ich möchte mit allen freundlich umgehen und mit allen lachen können. Aber das geht nicht. Je näher ein Match kommt, umso verschlossener und ungemütlicher werde ich.

NEWS: Ist es ein Traum von Ihnen, die Nationalmannschaft bis zur Heim-EM 2008 zu coachen?
Krankl: Nach den Wales-Spielen werden wir sehen, wo wir stehen und was wir tun müssen. Alle Spekulationen, die nun jeden Tag kommen, sind extremst mühsam. Mein Vertrag läuft bis 31. Dezember, aber sollten wir unsere Aufgabe am Samstag in Cardiff nicht positiv lösen, dann weiß jeder, was ab Sonntag auf mich zukommt. Aber die Entscheidung über meine Zukunft fällt sicher erst später. Die Frage ist: Wie wird sie ausfallen? Nur das haben andere Herren zu entscheiden. Und: Dann steht immer noch meine Entscheidung an. Es ist nicht gesagt, dass ich überhaupt verlängern will.

NEWS: Wie meinen Sie das?
Krankl: Ganz einfach: Diese Frage halte ich mir offen. Natürlich möchte ich bei der ersten Europameisterschaft in Österreich der Teamchef sein, weil ich mit großem Herzblut dabei bin. Bis jetzt hat es auch jeder kapiert, dass ich hier kein Theater abzieh, sondern dass es mir sehr ernst ist. Nur, noch einmal, und das betone ich in diesem Interview, ich muss sicherlich nicht um jeden Preis Teamchef bleiben. Wenn net, dann net. No problem! Da brauch ich gar nicht sentimental werden.

NEWS: Was sagen Sie eigentlich dazu, dass Trainerkapazunder wie Ottmar Hitzfeld und Arsène Wenger als Ihre möglichen Nachfolger genannt werden?
Krankl: Hahaha! Ich schätze beide sehr und kenne sie auch persönlich. Sie sollen bitte, bitte kommen und sich in Bregenz den Pircher anschauen, dann im Schwarzenegger-Stadion den Roland Linz und zum Abschluss noch Rapid auswärts in der Südstadt. Und dann sollen beide gefragt werden, ob sie schon unterschrieben haben oder nicht. Einen größeren Schwachsinn hab ich eigentlich noch nie gehört.

NEWS: Hätten Sie sich oft mehr Unterstützung von der Liga und den Klubs gewünscht?
Krankl: Das ist wirklich eine alte Leier. Manchmal wird geholfen, manchmal wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Man müsste jetzt näher darauf eingehen, nur das machen wir lieber nicht, weil sonst schaffen wir uns noch mehr Feinde. Ich lass deshalb an dieser Stelle für alle NEWS-Leser die Namen frei zum Einsetzen. Wer macht in der Bundesliga etwas für die Nationalmannschaft, wer nicht? Wer ist ehrlich, wer lügt? Da könnten wir gleich ein Rätselquiz veranstalten. Vielleicht sogar als bunte Beilage in NEWS.

NEWS: Was sollen Ihre Spieler einmal über Sie sagen?
Krankl: Eine Mannschaft kann den Trainer tragen, ihn aber auch abmurksen. Für mich gibt es den Trainer Krankl und den Menschen Krankl. Ich möchte, dass der Großteil meiner Spieler sagt, der ist ein super Trainer. Weil meine Fußballkompetenz lass ich mir sicherlich von keinem österreichischen Journalisten absprechen. Das ist lächerlich. Genauso möchte ich, dass meine Spieler sagen, der Krankl ist ein super Mensch. 25 Meistertitel sind mir nicht so wichtig, als wenn einer meiner Spieler sagt, der Alte ist ein super Trainer und ein super Mensch. Nicht zu mir, um mir in den Hintern zu kriechen, nein, am liebsten würde ich das von einem Dritten hören. Das wäre meine schönste Belohnung.

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26.3.2005 14:37