Mittwoch, 23. März 2005

Kontroversieller Trainer: Wales-Teamchef Toshack ist ein "sympathischer Saukerl"

  • Disput mit Blackburns Savage vor Österreich-Partien
  • Sturm-Partner von Keegan in Liverpool als Spieler

Die Eigenschaften eines britischen Gentleman sind John Toshack zumindest in seiner Funktion als Fußball-Trainer fremd. Der Teamchef von Österreichs WM-Qualifikationsgegner Wales bedient eher das Klischee seiner rustikalen Landsmänner, als sich auf die feine englische Art des großen Rivalen zu besinnen. Diese Einstellung brachte dem seit Dienstag 56-Jährigen immerhin Jobs bei zahlreichen Top-Klubs, aber auch einige Feindschaften ein.

Der momentane Duell-Partner des laut Eigendefinition "sympathischen Saukerls" ist Robbie Savage, immerhin 39-facher Teamspieler und etablierter Premier-League-Kicker. Vor der Kaderbekanntgabe für die Österreich-Partien am 26. März in Cardiff und vier Tage später in Wien informierte Toshack den Mittelfeldspieler, dass er nicht einberufen wird - worauf dieser gleich erbost seinen Team-Rücktritt bekannt gab und dem Teamchef vor dessen erstem Pflichtspiel auf der walisischen Trainerbank "peinliche Trainingsmethoden" vorwarf und die Meinung vertrat, der streitbare Betreuer hätte "den Zug der Zeit" verpasst.

Rückendeckung bekam Savage nicht nur von Toshack-Vorgänger Mark Hughes, sondern auch von Gary Speed, der wie fünf weitere walisische Internationale dem Nationalteam nach der Inthronisierung von Toshack den Rücken gekehrt hatte. Der Teamchef freilich sieht die plötzliche "Pensionswelle" nur als Folge von Hughes' Fehler, die Mannschaft rechtzeitig umzubauen und zu verjüngen.

Erste Trainererfahrungen mit Swansea
Diese Mängel will der als autoritär geltende Toshack nun beheben. "Ich kann keine Garantien abgeben, sondern nur mein Wissen und meine Erfahrung anbieten und hoffen, dass die Spieler davon profitieren", sagte der Trainer, der mit dem 2:0-Heimsieg in einem Freundschaftsspiel gegen Ungarn im Februar ein gelungenes Debüt gegeben hatte. "Im Fußball-Geschäft geht es darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und ich glaube, für mich ist es der richtige Zeitpunkt."

Seine ersten Trainer-Erfahrungen machte Toshack mit dem walisischen Klub Swansea City, den er von 1979 bis 1984 von der englischen Fourth Division in die damalige First Division und zu drei walisischen Cupsiegen führte. International für Aufsehen sorgte er erstmals mit Real Sociedad. Die Basken, für die er gleich drei Mal tätig war (1985-89,1991-94,2001-02), wurden unter seiner Führung 1987 Cupsieger und ein Jahr später Vizemeister.

Weltenbummler mit Zentrum Spanien
Höhepunkt seiner Trainerkarriere waren die beiden Engagements bei Real Madrid. Mit den "Königlichen" sicherte sich Toshack 1990 mit 107 erzielten Toren den Meistertitel und sorgte damit für einen Rekord, der bis heute unerreicht blieb. Den madrilenischen Offensiv-Fußball bekam am 24. Oktober 1990 im Meistercup auch der damalige FCS Tirol unter Ernst Happel zu spüren, als die Innsbrucker das Bernabeu mit einer 1:9-Packung verließen.

Rund drei Wochen später aber wurde Toshack, der den Real-Stars einmal im Rahmen eines Trainings bei Temperaturen jenseits der 30 Grad in einem Wutanfall das Trinken verbot, wegen schlechter Liga-Ergebnisse gefeuert - ein Schicksal, dass ihm bei den Madrilenen auch 1999 nach nur wenigen Monaten im Amt widerfuhr. Dazwischen lagen relativ erfolglose Tätigkeiten unter anderem bei Deportivo La Coruna und Besiktas Istanbul, danach blieben bei St. Etienne, Serie-B-Verein Catania und zuletzt Murcia Erfolge aus. Im September 2003 soll Toshack bei Sturm Graz im Gespräch gewesen sein, Hannes Kartnig entschied sich jedoch für Michael Petrovic.

Sechs Trophäen: Erfolgreiche Zeit in Liverpool
Dabei hätte die Kombination Kartnig - Toshack durchaus ihren Reiz gehabt, wenn man die Konflikte betrachtet, die fast alle Trainerstationen des groß gewachsenen und bulligen Trainers begleiteten. Sowohl Klub-Verantwortliche als auch Spieler und Fans zogen den Zorn des 56-Jährigen auf sich, selbst Journalisten vermochten sich Toshacks Rage nicht zu entziehen und wurden von ihm in seiner Real-Zeit als "ein Haufen Irrer" bezeichnet.

Als Spieler hatte Toshack hingegen einen lockeren Umgang mit den Medien gepflegt, wie die Tatsache beweist, dass er in den 70er-Jahren gemeinsam mit Kevin Keegan als Batman und Robin verkleidet für eine Zeitung posierte und danach wohl eher unfreiwillig für hämisches Gelächter in der britischen Öffentlichkeit sorgte. Weniger zu lachen hatten damals aber die gegnerischen Abwehrreihen, die er mit Keegan bei Liverpool mit schöner Regelmäßigkeit durcheinander wirbelte. Der 40-fache walisische Internationale (13 Tore) Toshack, der für die "Reds" in über 200 Partien 95 Tore erzielte, brachte es in der Beatles-Stadt auf drei Meistertitel sowie zwei UEFA-Cup- und einen FA-Cup-Sieg. (apa)

23.3.2005 13:20