Mittwoch, 23. März 2005

Wer will mich? Austria Wien-Gegner FC Parma sucht verzweifelt einen Käufer

  • Für 30 Mio. Euro ist der ehemalige AC Parma zu haben

Austria Wiens Fußball-UEFA-Cup-Gegner FC Parma sucht verzweifelt nach einem Käufer. Um die finanzielle Misere nach dem Zusammenbruch von Hauptsponsor Parmalat in den Griff zu bekommen, will das Team rund um Vereinspräsident Guido Angiolini den dreifachen Europacup-Sieger und dreifachen italienischen Cupsieger an den Mann bringen - der Kaufpreis beträgt rund 30 Millionen Euro. "Leider muss ich sagen, dass bis jetzt noch kein Kaufangebot auf meinem Tisch gelandet ist", erklärte jedoch Angiolini rund zwei Wochen vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen die Österreicher.

Dabei hat Parma bereits in zahlreichen Zeitungen - u.a. in Sole 24 Ore, Corriere della Sera, La Repubblica und The Financial Times - Annoncen aufgegeben. Potenzielle Parma-Käufer haben sich bisher jedoch keine gemeldet. "Es hat einige Leute gegeben, die auf mich zugekommen sind, aber in der Nähe eines Deals waren wir bisher noch nicht", so Angiolini, der Nachfolger des einstigen Parmalat-Patrons Calisto Tanzi.

Sein Team, derzeit unter 20 Klubs nur auf Tabellenplatz 17, bestreitet daher im Abstiegsstrudel der Serie A im wahrsten Sinne des Wortes einen Überlebenskampf. Nur über den Klassenerhalt kann man sich möglichen Käufern empfehlen. Umso verständlicher daher, dass Trainer Pietro Carmignani bisher im UEFA-Cup des Öfteren auf seine Stars wie Morfeo (Mittelfeld), Gilardino (Sturm) oder Frey (Tor) verzichtet hat - die volle Konzentration gilt der Meisterschaft.

Geld geht direkt an Banken, Steueramt und Gläubiger
Nach dem Parmalat-Bankrott hatte der einstige AC Parma im Juni 2004 als "neuer" FC Parma mit einem Kapital von 20 Millionen Euro den Neustart in Angriff genommen, 16 Millionen Euro hat man sich als eiserne Reserve auf die Seite gelegt. Deswegen würde laut Angiolini der wahre Wert des Vereins 36 Millionen Euro betragen, Parma mit Insolvenzverwalter Enrico Bondi sei jedoch bereit, dem Verkauf für sechs Millionen Euro weniger zuzustimmen.

Sollte es zum Verkauf kommen, fließt das Geld nicht in die leere Klubkasse der Blaugelben ("Gialloblu"). "Das Geld wird direkt an die Banken, ans Steueramt und an die Gläubiger überwiesen. Nicht an uns." Angiolini meinte aber, dass auch ohne Verkauf Hoffnung auf eine Zukunft besteht. "Wenn wir mit voller Kraft arbeiten, dann wird es Parma auch in diesem Fall in der Saison 2005/2006 geben."

Luca Baraldi, seit 2004 Geschäftsführer des FC Parma, setzt auch auf den Vertrag mit Sky TV. "Wir sind einer der acht Vereine, die mit Saisonende ihren Vertrag mit Sky TV verlängern müssen. Ich hoffe, dass wir ein korrektes Angebot erhalten, dass uns eine Zukunft mit Würde ermöglicht." Parmalat, bis dahin der siebentgrößte italienische Privatkonzern, war im Dezember 2003 unter einem Schuldenberg von 14 Milliarden Euro zusammengebrochen. Die Pleite stellte den größten Finanzskandal in der italienischen Geschichte dar. (apa/red)

23.3.2005 10:39