Montag, 21. März 2005

Ferrari-Krise zwingt Schumacher zu Über- stunden: Testrunden in Mugello stehen an

  • Weltmeister kritisch: "Wir waren nicht konkurrenzfähig"
  • Renault-Boss Briatore: "Fahren in einer anderen Liga"

Die Ferrari-Krise zwingt Michael Schumacher zu Überstunden. Nach der Pleite im GP von Malaysia und dem schlechtesten Saisonstart seiner Karriere testet der Rekordchampion ab Mittwoch den neuen F2005 erstmals höchstpersönlich in Mugello. Danach soll entschieden werden, ob der neue Wagen schon im dritten Rennen der Formel-1-WM am 3. April in Bahrain eingesetzt wird.

Der F2005 soll die Wende bringen. Nach Jahren der Dominanz stecken die Roten in einer Krise, die sich in Australien abzeichnete und in Sepang offenbar wurde. Schumacher schaffte es gerade auf den siebenten Platz und zu seinen ersten zwei Punkten, Rubens Barrichello kam nicht einmal ins Ziel. "Wir waren nicht konkurrenzfähig, wir müssen uns in allen Bereichen verbessern", weiß Schumacher, "für so ein Rennen gibt es keine Entschuldigung" sagte Teamchef Jean Todt.

In der italienischen Ferrari-Heimat reagieren die Medien beinahe ungläubig auf den Auftritt der Scuderia. "Neue Schlappe für Schumi - Ferrari ist nicht wiederzuerkennen", schrieb "La Repubblica". Der "Corriere della Sera" meinte: "Die beiden roten Wagen in der Mitte der Startpiste können nicht die beiden Ferraris sein, an die wir gewöhnt waren." Als Grund für die Krise sieht die Zeitung "Fehler der Überheblichkeit". Der britische "Daily Mirror" glaubt: "Schumachers Ergebnis wird sicherlich dazu führen, dass die alternde Maranello-Maschine auf den Müll geschmissen wird."

Harsche Kritik an Ferrari von Ralf Schumacher
Ausgerechnet Schumacher-Bruder und Toyota-Pilot Ralf war einer der deutlichsten Kritiker. "Ferrari hat eine zu große Eigenständigkeit entwickelt, für die sie jetzt bezahlen", so der Wahl-Salzburger. Ferrari fährt bekanntlich als einziges Topteam mit Bridgestone-Reifen, während die schärfsten Konkurrenten mit Michelin-Pneus unterwegs sind. Zum anderen ging das Konzept mit dem modifizierten Vorjahreswagen nicht auf. "Da kommen sie mit einem alten Auto und glauben, sie sind besser als der Rest der Welt", spottete Ralf Schumacher. Sein Bruder gab hingegen Durchhalteparolen aus. "Wir sind als Team gefestigt, die Saison ist noch lang."

Renault-Boss Briatore: "Fahren in einer anderen Liga"
Die Ferrari-Rolle hat nach zwei Siegen in zwei Rennen Renault übernommen. "Wir fahren in einer anderen Liga", sagte Teamchef Flavio Briatore nach dem Sieg von Fernando Alonso. Der Spanier wird in seiner Heimat von der Presse gefeiert. "Alonso revolutioniert die Formel 1 und schreibt spanische Sportgeschichte", meinte die Tageszeitung "Marca" und ist überzeugt: "Hier kommt der Weltmeister."

Im Aufwind ist neben Red Bull, das wie in Australien beide Autos in die Punkte brachte und in der Konstrukteurs-WM sensationell auf Platz drei liegt, auch Toyota. Jarno Trulli sorgte als Zweiter für den ersten Podestplatz der sei 2002 teilnehmenden Japaner, Ralf Schumacher wurde Fünfter. Zur Lachnummer wurden hingegen die BAR-Honda. Obwohl nach dem unrühmlichen Melbourne-Trick mit neuen Motoren unterwegs, zerriss es diese schon in der zweiten Runde wegen eines Öllecks. "Sorry, das wird nicht mehr vorkommen", entschuldigte sich Honda-Chefingenieur Shuhei Nakamoto bei Jenson Button und Sato-Ersatzfahrer Anthony Davidson. (apa)

21.3.2005 17:56
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts