Donnerstag, 24. März 2005

Geschwisterduell Haider vs. Haubner: Wer übernimmt die Führung bei der FPÖ?

  • Scheibner: "Entscheidung muss nächste Woche fallen"
  • Heinz-Christian Strache soll sich auf Wien konzentrieren

Die Entscheidung über die künftige Führung der FPÖ müsse nächste Woche fallen. Das sagte Klubchef Herbert Scheibner am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Fallen solle die Entscheidung zwischen der amtierenden Parteiobfrau Ursula Haubner und ihrem Bruder Jörg Haider. Ablehnend steht Scheibner einem möglichen "Schulterschluss" zwischen Haider und dem Wiener Landesobmann Heinz-Christian Strache gegenüber. Die Einbindung Straches habe schon einmal nicht funktioniert.

Scheibner berichtete, dass bei den Funktionären und an der freiheitlichen Basis "starke Verunsicherung" herrsche, weil noch nicht klar sei, wer in den Ring steige. Haubner und Haider müssten vereinbaren, wie sie die Rollen verteilen wollen. "Ich glaube, dass beide hervorragende Politiker sind", will der Klubchef beide eingebunden wissen. "Die Dynamik des Jörg Haider und die Integrationsfähigkeit der Uschi Haubner sind unverzichtbar."

Scheibner gegen Strache-Antritt
Nichts hält Scheibner von einem Antreten Straches als Kandidat für die Parteiführung. "Ich gehe davon aus, dass Strache macht, was er in der Wiener Landesparteileitung gesagt hat und sich auf Wien konzentriert. Das war auch der Wunsch der Delegierten." Die Doppelbelastung, die FPÖ zu einen und den schwierigen Wahlkampf in Wien zu führen, wäre vermutlich zu viel: "Das ist fast nicht möglich für eine Person."

Die Latte für die kommende Wiener Gemeinderatswahl liege zudem "sehr hoch" so Scheibner. Die Wiener FPÖ habe immerhin 20,16 Prozent der Stimmen zu verteidigen - und dieses Ergebnis sei nicht vor, sondern erst nach dem Regierungseintritt der FPÖ erreicht worden.

Keine Spaltung der Wiener FPÖ
Der Klubobmann gibt auch einem "Schulterschluss" zwischen Haider und Strache nur wenig Chancen: "Die Uschi Haubner hat das ja versucht und das hat leider nicht funktioniert." Es hätten nicht alle "offen und ehrlich für einen gemeinsamen Kurs" gearbeitet. Strache war am 3. Juli des Vorjahres zu einem Stellvertreter Haubners an der Parteispitze gewählt worden, hat diese Funktion am 7. März aber zurückgelegt. Scheibner verwies zudem darauf, dass bald eine Entscheidung fallen müsse: "Die Zeit für irgendwelche Versuche, ob noch eine Einigung oder ein Kompromiss möglich ist, haben wir nicht mehr."

Von einer möglichen Spaltung der Wiener FPÖ will Scheibner nicht reden. Es liege aber an der Führung der Landespartei, "glaubwürdige vertrauensbildende Maßnahmen" zu setzen: "Es ist immer die Verantwortung einer Führung, zusammenzuführen und zu versuchen, integrativ zu wirken. Das ist bis jetzt, im letzten Jahr, zu wenig geschehen."

Vorbilder für eine derartige Führung der Landesgruppe gäbe es, so der Klubchef. Er sei seit 20 Jahren Mitglied der Wiener FPÖ, und habe in dieser Zeit mit Erwin Hirnschall, Rainer Pawkowicz und Hilmar Kabas "hervorragende Landesobleute" erlebt. Bisher sei es den Obleuten immer gelungen, integrierend zu wirken und jedem in der Partei seinen Platz zu geben: "Zu dieser Linie muss man wieder zurückfinden."
(apa)

24.3.2005 14:07