Mittwoch, 30. März 2005

Leidend, abgemagert und stumm: Papst zeigte sich wieder am Fenster im Vatikan

  • Hl. Vater wurde Magensonde eingesetzt Plus Bilder
  • PLUS: Senden Sie dem Papst Ihre Genesungswünsche

Knapp drei Tage nach dem Auftritt an Ostersonntag hat der Papst am Mittwoch einen neuen Versuch gemacht, einen Gruß an die Pilger zu richten, konnte jedoch nur ein tiefes Röcheln hervorbringen. Vier Minuten lang zeigte sich der 84-jährige Kirchenführer am Fenster seiner Wohnung im Vatikan und grüßte die auf dem Petersplatz versammelten Pilger, die besorgt zu ihm schauten. Abgemagert, schwach und hinfällig wirkte der Papst, der einen verzweifelten Anlauf machte, seinem Atem die notwendige Kraft zu geben, um die Worte hinauszustoßen.

Wie bereits am Ostersonntag konnten die Gläubigen auf dem weiten Platz jedoch nur ein Stöhnen wahrnehmen. Als der Papst merkte, dass er keinen Ton aussprechen konnte, entfernte er das Mikrofon von sich.

Die TV-Kameras des Vatikans zeigten den Papst nur aus der Entfernung, so dass sein Gesichtsausdruck nicht so deutlich zu sehen war. Der Heilige Vater, der im Rollstuhl saß, winkte einige Sekunden lang den Gläubigen zu und segnete sie. Ein Gruß an die Pilger, die auf dem Petersplatz versammelt waren, wurde von einem Mitarbeiter auf Italienisch und Deutsch verlesen.

Sei dem frühen Mittwoch hatten Pilger, darunter zahlreiche Polen, auf den Papst gewartet. Obwohl der Vatikan die Mittwoch-Audienz und alle anderen öffentlichen Termine des Kirchenoberhaupts abgesagt hatte, hofften einige Gläubige, dass sich Johannes Paul II. zeigen würde. Die Menschen auf dem Petersplatz spendeten den Bemühungen des Heiligen Vaters Beifall - nicht wenige brechen in Tränen aus.

Magensonde implantiert
Dem Papst ist im Vatikan eine Nasen- und Magensonde implantiert worden, dank der er sich leichter ernähren kann. Dies teilte Papst-Sprecher Joaquin Navarro Valls mit. Auf diese Weise könne der Papst kalorienreichere Nahrung zu sich nehmen, was seine Genesung beschleunigen soll, betonte Navarro Valls im Gespräch mit Journalisten am Mittwoch.

Der Papst arbeite, verbringe mehrere Stunden am Tag in seinem Sessel, zelebriere die Messe in seiner Privatkapelle und folge den Aktivitäten am Heiligen Stuhl, versicherte Navarro Valls. "Die lange Rekonvaleszenzphase schreitet langsam voran", berichtete der Papst-Sprecher, der seit dem letzten ärztlichen Bulletin vor 17 Tagen keine offiziellen Erklärungen über den Zustand des Heiligen Vaters gegeben hatte. Die öffentlichen Audienzen blieben weiterhin abgesagt.

Nach Angaben italienischer Medien verbringt der Papst den Tag in fast völliger Isolierung. Nur sechs Kardinäle, die treuesten Mitarbeiter des Papstes, dürfen in sein Zimmer. Sogar der persönliche Sekretär des Papstes, der polnische Bischof Stanislaw Dziwisz, musste diese Woche das Zimmer des Heiligen Vaters verlassen. Der Pole ist verkühlt, die Ärzte befürchten, dass er Johannes Paul II. anstecken könnte. Der Papst muss nach der Luftröhrenoperation am 24. Februar starke Medikamente einnehmen und ist sehr geschwächt.
(apa/red)

30.3.2005 14:55