Samstag, 26. März 2005

Neue Folter-Fälle im Irak aufgedeckt:
Auch in Mossul kam es zu Misshandlungen

  • US-Soldaten quälten und verletzten Gefangene
  • Wegen fehlender Beweise kam es zu keinen Anklagen

Nach am Samstag bekannt gewordenen Dokumenten des US-Militärs waren Misshandlungen von Gefangenen im Irak nicht auf das Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad beschränkt. Ermittlungen in einer Militärbasis in Mossul hätten ergeben, dass Gefangene 2003 auch dort schwer misshandelt worden seien. Wegen fehlender Beweise sei aber niemand vor Gericht gestellt worden.

Die Inhaftierten in Mossul seien mit Wasserflaschen geschlagen oder teils mit Sandsäcken auf dem Kopf zu schweren körperlichen Übungen bis zur völligen Erschöpfung gezwungen worden. Sie seien am Schlafen gehindert und ohrenbetäubendem Lärm ausgesetzt worden, etwa durch lautstarkes Abspielen von Heavy-Metal-Rock. Auf die Misshandlungen in Mossul sei das US-Militär aufmerksam geworden, nachdem einem 20- jährigen Iraker in der Haft der Kiefer gebrochen worden war.

Die US-Bürgerrechtsgruppe ACLU hatte die Veröffentlichung der Dokumente unter dem amerikanischen Gesetz zur Informationsfreiheit erzwungen. Durch derartige Dokumente sind mittlerweile zahlreiche Fälle von Gefangenen-Misshandlung im Irak, in Afghanistan und Guantanamo Bay bekannt geworden.

Fotos von Misshandlungen im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad hatten den Folter-Skandal öffentlich gemacht und weltweit Empörung ausgelöst. Das US-Verteidigungsministerium hat die Vorfälle einzelnen besonders aggressiven Soldaten zugeschrieben und sorgfältige Ermittlungen zugesichert.

(apa)

26.3.2005 21:29